Benjamin Scheiner sagt Deutschland "Goodbye"

Benny Scheiner

Benny Scheiner

Foto: Y. Vogeltanz

Eigentlich war Benjamin Scheiner am Samstagnachmittag davon ausgegangen, dass er bei einem Hobbyfußballturnier auf dem Lohrer TSV-Sportgelände mitkicken würde. Organisator Rino De Luca hatte ihm flugs einen Spielplan für sein Team in die Hand gedrückt. Im Nachhinein zeigte sich jedoch: Der Spielplan war gefälscht, die Hobbymannschaft gab es gar nicht. Als Scheiner in der Kabine des Sportheims eintraf, saßen dort etwa 15 Männer in blauen T-Shirts mit der Aufschrift „Bennys Allstars“, die ihn sofort mitnahmen und in die Spessarttorhalle brachten.

Dort war nämlich ohne sein Wissen ein Handball-Spiel mit früheren Weggefährten des ehemaligen Kapitäns der ersten Mannschaft des TSV Lohr organisiert worden, zu dem, obwohl die Veranstaltung vorher nur über Mundpropaganda angekündigt worden war, 150 Zuschauer kamen. „Es war mein letztes Handballspiel“, sagte Scheiner hinterher. Denn am 10. August heißt es für ihn: „Goodbye Deutschland“. Der 34-Jährige wird dann ins kanadische Toronto auswandern und dort mit seiner von dort stammenden Freundin Daniela zusammenziehen.

Viele frühere Lohrer Größen

„Erst als ich in die Kabine kam, begann mir klar zu werden, was eigentlich los war. Und später in der Halle musste ich schon mal schlucken“, berichtet Benjamin Scheiner über das großteils von seinem Bruder Philipp organisierte „Abschiedsspiel“, bei dem in erster Linie Protagonisten aus zwei Jahrzehnten Lohrer Handball auf dem Feld standen. So war beispielsweise ein Rolf Schuster aus Berlin angereist, ein ein Matthias Fröhlich vom Bodensee. Dabei waren auch einstige Größen wie Janos Wagenbach, Peter Gehl, Peter Vozar, Steffen Ditter, Frank Roßner oder Stefan Schüßler, „Das hat mich ungemein gefreut. Nachher haben wir dann auf der Festwoche noch das ein oder andere Bier getrunken“, berichtet Scheiner, dessen Team „blau“ am Ende gegen das Team „rot“ mit 27:24 gewann.

Wenige Tage vor seinem Abflug nach Kanada will er dann noch eine große Abschiedsparty feiern. Und wie ist die Gefühlslage vor solch einem großen Schritt im Leben? „Im Augenblick freue ich mich total darauf. Aber ich kann mir vorstellen, dass ich ein paar Tage vorher schon wehmütig werden werde“, sagt der 34-Jährige.

Gegenwärtig genießt er bis zu seinem Abflug ein paar Tage Urlaub, sein Auto hat er bereits verkauft. „Wenn ich rüberfliege, dann wohl nur mit zwei Koffern. Wenn irgendwelche Dinge fehlen, kann man sie ja nachschicken lassen“, blickt er schon mal auf den 10. August voraus. In der 2,6-Millionen-Metropole wird er dann bei Freundin Daniela einziehen, deren Eltern Einwanderer aus Mexiko bzw. Schottland sind und mit der er bisher zumeist eine Fernbeziehung geführt hat. Ab 10. August beginnt dann die gemeinsame Zukunft.

„In Kanada muss ich mich dann erst einmal zurechtfinden und einen Job suchen. Das wird alles einige Zeit dauern“, weiß Benjamin Scheiner, dass auch nach seiner Auswanderung eine Menge auf ihn zukommen wird. „Aber wenn sich alles gefunden hat, plane ich zumindest einmal im Jahr nach Lohr zurückzukommen.“ Bei seinen Heimatbesuchen wird er sich dann wieder bei Handballspielen in der Lohrer Spessarttorhalle sehen lassen, dessen ist er sich ganz sicher. In Kanada dagegen wird er sich sportlich anders orientierten: „Ich habe in Toronto schon eine Hobbyfußball-Mannschaft gefunden.“

U. Sommerkorn

Quelle: Main-Post

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