Erst dominiert, dann gezittert

14.09.15

Foto: Wolfgang Zink

Foto: Wolfgang Zink

Quelle: Main-Post

TV Roßtal - TSV Lohr 23:26 (7:16)

Beim gegenseitigen Abklatschen nach dem 26:23 (16:7)-Sieg zum Landesliga-Auftakt in Roßtal wirkten die Handballer des TSV Lohr wenig euphorisch, sondern bestenfalls erleichtert. Sie waren als Topfavorit der Klasse zur Saison-Premierenpartie in den Landkreis Fürth angereist, dann 35 Minuten lang die dominierende Mannschaft gewesen und danach gegen einen handballerisch limitierten Gegner unversehens in Bedrängnis geraten. Am Ende kam der Bayernliga-Absteiger mit einem blauen Auge davon. Doch viele Gästespieler wirkten ratlos, während sich der gastgebende Aufsteiger vom eigenen Anhang trotz der Niederlage beklatschen ließ.

„Das ist eigentlich unverständlich. Wir haben das alles im Griff und machen dann plötzlich so viele Fehler. Warum, das kann ich nicht sagen“, meinte Lohrs Routinier Janis Gremzde nach seinem ersten Ligaspiel nach seiner Schulteroperation im Frühjahr. TSV-Trainer Bernd Becker hatte den Letten zunächst lange auf der Bank gelassen und erst in der engen Schlussphase aufs Feld geschickt (O-Ton Coach: „Janis ist noch nicht bei 100 Prozent, wir wollen ihn sinnvoll aufbauen.“).

Dabei agierte der Gast in den ersten 35 Minuten wie in einem Trainingsspiel. Eine sichere 6:0-Deckung mit einem starken Keeper Tamás Szábo im Rücken ließ die ohne ihren Spielmacher Dietmar Mathias angetretenen Roßtaler kaum zu Erfolgserlebnissen kommen. Kontrolliert zog der Gast seine Angriffe auf, vergrößerte seinen Vorsprung Tor um Tor und lag zwei Minuten nach der Pause mit 17:7 vorn. Mutig besonders die Aktionen von Fabian Zehnter, der sich aus dem Rückraum beherzt die Würfe nahm und am Ende mit fünf Toren erfolgreichster Lohrer Schütze war.

Plötzlicher Bruch im Spiel

„Was dann passiert ist, hat mich fatal an letzte Saison erinnert“, bemerkte Lohrs Abteilungsleiter Ludwig Scheiner. Da hatte Lohr eine Reihe von Spielen nach teils deutlichen Führungen verloren und war am Ende aus der Bayernliga abgestiegen. Nun ist die Mannschaft in ihrer personellen Zusammensetzung eine andere, die Fehler blieben jedoch die alten. Plötzlich erlaubte sich der Gast einen Ballverlust nach dem anderen, auch der als Führungsfigur ausersehene Neuzugang Lukas Horky leistete sich zahlreiche Fehlwürfe. Konsequenz waren eine Reihe von Roßtaler Gegenstößen, mit denen die spielerisch biederen, aber engagiert kämpfenden Mittelfranken erst auf 18:20 (47.) und später auf 22:24 (58.) herankamen. Und hätte anschließend Roßtals Lukas Franke nicht zwei Minuten vor Schluss einen Gegenstoß an den Pfosten gesetzt, der TVR wäre auf ein Tor dran gewesen und Lohr in noch größere Schwierigkeiten geraten, zumal Abwehr- und Torhüterleistung beim Gast weit vom Niveau der ersten Hälfte entfernt gewesen waren.

In dieser Phase gab es jedoch auch den ein oder anderen Lichtblick auf Seiten der TSV. Mit dem nach der Pause eingewechselten Rückraumspieler Jonathan Born übernahm ein Youngster Verantwortung, der in der Schlussphase auch wichtige Treffer erzielte. „Immerhin wir haben das Spiel gewonnen“, betonte der Trainer. Gleichwohl gab auch Bernd Becker zu: „Das Spiel hat aber gezeigt, dass wir noch eine Menge arbeiten müssen.“

U. Sommerkorn

Die Statistik des Spiels

Roßtal: Hagen (1. – 30., 50. – 60), Butze (31. – 50) – D. Schmidt (7), Schmitt, N. Nepf (4), Franke, Gerbing, Schoberth, Brandscher (5/3), Fröschel, C. Nepf (1), Gruber (1), Heldauer (5), M. Schmidt (1).

Lohr: Szábo, Prokscha (1 Siebenmeter) – Baudisch (2), F. Schmitt (4/4), Nass, Avar (3), Kralik (1), Gremzde (2), Born (4), Rahtz (1), Imhof, Horn (1), Zehnter (5), Horky (3).

Schiedsrichter: Balogh/Nerl (München)

Zeitstrafen: 4:5

Siebenmeter: 3/3 – 4/4

Zuschauer: 200.

Spielfilm: 2:2 (4.), 2:9 (19.), 5:11 (24.), 5:14 (26.), 7:17 (33.), 11:18 (38.), 11:20 (38.), 18:20 (47.), 18:22 (51.), 20:24 (54.), 22:24 (58.).

Quelle: Main-Post