Liebesgrüße aus Toronto

23.11.15

Fabian Zehnter

Fabian Zehnter

Foto: A. Röder

TSV Lohr – ASV Cham 32:14 (17:7)

Sie lernen das Feiern wieder beim TSV Lohr. Nach zwei weitgehend freudlosen Spielzeiten, an deren Ende der Abstieg des Teams in die Fünftklassigkeit stand, sind strahlende Gesichter nach TSV-Spielen in dieser Runde wieder Standard. Auch nach dem überraschend klaren 32:14 im Spitzenspiel gegen den ASV Cham, mit dem die Lohrer die Landesliga-Tabellenführung übernahmen, war die Laune prächtig. Nach der Partie formierten sich die Spieler im Tor zu einem Mannschaftsbild. So, als wäre das Team bereits Meister. Das Bild wurde dann flugs nach Toronto in Kanada geschickt, wo Lohrs Ex-Kapitän Benjamin Scheiner seit August lebt. Genau 86 Minuten vor Anpfiff hatte Scheiner ein Bild von seiner Hochzeit in Übersee, die am Tag des Spitzenspiels stattgefunden hatte, gepostet, seine früheren Teamkollegen beantworteten diese Liebesgrüße aus Toronto mit dem Bild des neuen Tabellenführers, dessen Spieler nach dem Sieg noch in großer Zahl „auf die Piste“ gingen.

TSV-Trainer Bernd Becker war indes klar, dass nach solch einem klaren Erfolg verbale Tiefstapeleien ziemlich unglaubwürdig klingen. „Wir sind wohl im Augenblick die beste Mannschaft, die Tabelle lügt schließlich nicht“, erklärte der 46-Jährige, dessen Team den ohne Verlustpunkt angereisten Gast aus der Oberpfalz nach Belieben beherrscht hatte. Cham war über die gesamte Distanz kaum etwas eingefallen gegen die bewegliche 6:0-Deckung der Gastgeber. Die Folge waren zahlreiche Lohrer Ballgewinne, die das einheimische Team gegen die mit einigen Akteuren im reiferen Handballalter angereisten Chamer in zahlreiche Gegenstöße verwandelte.

„Wir haben in der Woche vorher viel Video geschaut, wir waren gut vorbereitet“, verriet Lohrs tschechischer Rückraumspieler Lukas Horky, dem auf Chamer Seite gleich fünf Landsleute gegenüberstanden. 12:3 stand es bereits nach 18 Minuten, und auch in der Folge zeigte der ASV kaum Gegenwehr. Nach dem Abpfiff verließen die Gästespieler inklusive ihres Trainers Silvio Scheurer, nachdem sie den Hausherren zuvor fair zum Sieg gratuliert hatten, auch schnell das Hallenparkett. „Irgendwie war bei denen der Kopf sehr früh weit unten“, urteilte Becker darüber, dass seine Mannschaft den Gästen schnell den Schneid abgekauft hatte. Und wären die Lohrer in der Endphase nicht etwas schludrig mit ihren Torchancen umgegangen, der Sieg wäre noch deutlicher ausgefallen.

„Wir sind einen Schritt weiter als zu Saisonbeginn.“

Bernd Becker, Trainer des TSV Lohr

„Das ging ziemlich leicht“, sagte Andreas Avar nach dem Abpfiff mit einem fast ungläubigen Blick. Der TSV-Linksaußen hatte oft da mitgemischt, wo es wichtig war. Einmal im starken Abwehrzentrum, dann auch als schneller Konterläufer. Sechs Treffer hatte das Lohrer Eigengewächs am Ende auf dem Konto, genauso viele wie Teamkollege Janis Gremzde. Siebenmal trafen Lukas Horky und Youngster Fabian Zehnter, der in der zweiten Hälfte im rechten Rückraum große Freiheiten genoss. „Wir sind einen Schritt weiter als zu Saisonbeginn“, machte der Lohrer Trainer klar. Da hatte sich seine Mannschaft nach deutlichen Führungen immer wieder selbst in die Bredouille gebracht. Nun gegen Cham zeigte das TSV-Team einen Auftritt, der vom Anfang bis zum Schluss souverän war.

Gleich wohl taten sich die Verantwortlichen auf Lohrer Seite mit der Einordnung des Ganzen schwer. Die Frage, ob Lohr nun so stark oder Cham so schwach war, konnte niemand schlüssig beantworten. „Nächste Woche können wir die Tabellenführung auch schon wieder los sein“, gab TSV-Abteilungsleiter Ludwig Scheiner angesichts der Tatsache zu bedenken, dass am Samstag das Auswärtsspiel beim Tabellendritten in Münchberg ansteht. Doch wer sich so wie die TSV-Spieler langsam wieder ans Feiern gewöhnt hat, wird alles dafür tun, dass es auch am kommenden Wochenende wieder einen Grund für Ausgelassenheit gibt.

U. Sommerkorn

Lohr: Szabo (1. – 51.), Prokscha (51. – 60.) – Baudisch, F. Schmitt (3), Fietz, Avar (6), Kralik (1), Born, Rahtz, Imhof, Horn (2), Zehnter (7), Gremzde (6), Horky (7/1).

Cham: Z. Heyduk (1. – 13., 43. – 60.), Schindler (13. – 43.) – Pelikan (1), Klima (2), Tahovsky (4/1), Selmer (1), B. Heiduk (1), Lommer, Geißler (2), Wagner, Bornack (2), Sperlich (1), Soukup.

Schiedsrichterinnen: Büttner/Kronschnabel (Stadeln/Lichtenau).

Zeitstrafen: 5:2.

Siebenmeter: 2/1 – 1/1.

Zuschauer: 500.

Spielfilm: 2:0 (3.), 7:1 (10.), 12:3 (18.), 17:6 (30.), 22:9 (39.), 24:10 (42.), 26:11 (49.), 31:12 (56.).

Quelle: Main-Post