"Die Mannschaft ist eine Einheit"

21.09.17

Bernd Becker

Bernd Becker

Foto: Heiko Becker

Für Bernd Becker ist es bereits die sechste Saison als Trainer der ersten Handball-Mannschaft des TSV Lohr, die am Samstag gegen den TSV Unterhaching Saison-Heimpremiere feiert (Anwurf 19.30 Uhr, Spessarttorhalle).

Der 48-jährige Höchberger war bereits von 2006 bis 2009 für das Team verantwortlich, und nun wieder seit Sommer 2015. In seiner zweiten Lohrer Amtszeit schaffte er mit seinem Team im ersten Jahr die Landesliga-Meisterschaft und damit die Rückkehr in die Bayernliga, in der dem TSV dann in der Saison 2017/18 als Neunter der Klassenerhalt gelang. Was der Inhaber des B-Scheins in der neuen Spielzeit, die für sein Team am Samstag mit einer 22:23-Niederlage in Anzing begann, vorhat und was er über Nähe und Distanz zu seinen Spielern denkt, verrät Bernd Becker im Interview.

Frage: Die Lohrer Mannschaft hat ja eine erstaunliche Entwicklung genommen. Nach einer verkorksten Hinrunde mit vielen personellen Rückschlägen hat sich das Team in der Rückrunde gesteigert und relativ problemlos den Klassenerhalt geschafft. Wird die Mannschaft, die ja erst im Vorjahr als Aufsteiger in die Bayernliga zurückgekehrt ist, in der neuen Runde von diesen Erfahrungen profitieren?

Bernd Becker: Die Spieler haben auf jeden Fall die Erfahrung gemacht, dass man trotz begrenzter Mittel mit großer Leidenschaft eine Menge bewegen kann. Vor allem die jüngeren Spieler, wie zum Beispiel Jannik Schmitt, Jonathan Born oder Ferdinand Schmitt, haben bewiesen, dass sie keine Lückenbüßer, sondern mittlerweile vollwertige Bayernliga-Spieler sind. Für uns war die letzte Runde jedenfalls ein gigantischer Schritt nach vorne.

Es wirkte so, als ob der Teamgeist ein wichtiger Faktor gewesen ist. Da passte es ins Bild, dass nach der Runde ein Großteil der Mannschaft zusammen nach Kanada geflogen ist, um den nach Toronto ausgewanderten früheren Kapitän Benjamin Scheiner zu besuchen. Hat ein solches Gemeinschaftserlebnis mit Ausflug zu den Niagarafällen oder der Gewinn des Handballturniers um die offene kanadische Meisterschaft das Team noch mehr zusammengeschweißt?

Becker: Die Saisonabschlussfahrt nach Kanada war sicher der krönende Abschluss einer gelungenen Runde. Das hat uns sicher noch ein Stückchen mehr zusammengebracht. Ich habe das Gefühl, dass es im Team keine Strömungen gibt. Die Mannschaft ist eine Einheit. Wir, also die Sportliche Leitung und ich, sind sehr glücklich über diese Entwicklung.

Das hört sich nach großer Harmonie an. Besteht da nicht die Gefahr, dass es ein bisschen zu harmonisch zugeht?

Becker: Da passen wir schon auf, dass das nicht zum Problem wird. In der vergangenen Saison war es ja oft so, dass sich die Aufstellung auf Grund der vielen Ausfälle quasi von selbst ergeben hat. Das ist jetzt wieder anders, wir haben einen 16-Mann-Kader. Und da will jeder spielen. Es gibt einen Konkurrenzkampf, der schon dafür sorgt, dass die Harmonie nicht zu groß wird. Es geht um Einsatzzeiten auf dem Feld – und die sind jetzt schwerer zu kriegen als in der letzten Saison.

Es gibt also keine Entwicklung in die Richtung, dass der Trainer zu sehr zum Kumpel wird?

Becker: Wir haben sicher ein gutes Verhältnis untereinander. Aber selbst in Kanada war es so, dass wir, also die Sportliche Leitung und ich, die Jungs oft allein gelassen und wir unser eigenes Ding gemacht haben. Und das ist auch gut so. Ein gewisser Abstand muss gewahrt bleiben. Und letztlich wissen alle: Die Entscheidungen treffen Luggi Scheiner (Sportlicher Leiter, Anm. d. Red.), Gerald Schmitt (Co-Trainer, Anm. d. Red.) und ich.

Ist in dieser Saison ein Szenario vorstellbar, in der man als Trainer Spieler wieder härter anpacken muss. Schließlich ist es ja möglich, dass es nach einer 22:23-Auftaktniederlage in Anzing bei weiteren Misserfolgen zu einem ausgewachsenen Saisonfehlstart kommen könnte?

Becker: Natürlich muss man sich mit der Situation auseinandersetzen, dass auch so etwas eintreten könnte. Schließlich ist die Liga heuer enorm ausgeglichen. Ich selbst muss die Situation genau beobachten. Wenn gewisse Dinge nicht passen, wenn taktische Fehler gemacht werden oder die Spieldisziplin verloren geht, muss man sich mit den Leuten auseinandersetzen. Probleme werden mit den Beteiligten ganz direkt angesprochen. Aber das war letzte Saison auch nicht anders.

Welche handballerischen Fortschritte erwarten Sie in der neuen Saison von Ihren Spielern?

Becker: Ich erwarte, dass wir einen Tick abgeklärter spielen und unsere Fehlquote weiter minimieren. Dazu will ich mehr Variabilität im Deckungsspiel sehen. Eine Schwäche, an der wir arbeiten müssen, war außerdem in der letzten Saison unsere zweite Welle beim Gegenstoß. Aber wir haben zuletzt viel am Tempospiel gearbeitet. Und ich hoffe, dass wir hier gefährlicher werden.

Welche Spieler aus dem eigenen Nachwuchs könnten sich weiter in den Vordergrund spielen?

Becker: Die Nächsten, die dran wären, sich in der Mannschaft zu etablieren, sind Markus Seltsam und Lorenz Schmitt. Nur wird es bei Lorenz jetzt leider etwas länger dauern, da er sich ja einen Kreuzbandriss zugezogen hat und lange fehlen wird. Außerdem sind die anderen Jungen, wie Jannik Schmitt, Jonathan Born und Ferdinand Schmitt, die in der letzten Saison schon viel gespielt haben, noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung. Außerdem sind ja auch Leute wie Benjamin Horn und Lukas Horky quasi Neuzugänge, die sich erst wieder ans Bayernliga-Niveau gewöhnen müssen. Beide haben ja die ganze letzte Saison mit Kreuzbandrissen verpasst.

Noch eine Frage zu eigenen Person. Sie sind im dritten Jahr in Folge in Lohr – und Trainer beginnen sich nach einer gewissen Zeit auch oft abzunutzen. Könnte die jetzt beginnende Saison die letzte beim TSV sein?

Becker: Grundsätzlich kann jede Saison die letzte sein. Und wenn es irgendwie nicht läuft, ist der Trainer immer der Erste, der in Frage gestellt wird. Ich habe mit der Sportlichen Leitung die Vereinbarung getroffen, dass wir uns um Weihnachten zusammensetzen und die Situation analysieren. Sollte es mir keinen Spaß mehr machen, fahre ich sicher nicht weiter nach Lohr. Aber im Augenblick gibt es keine Anzeichen dafür. Deshalb mache ich mir deswegen auch nicht groß Gedanken.

U. Sommerkorn

Quelle: https://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Entwicklung-Handballturniere-Harmonie-Interviews-Riss-des-Kreuzbandes-Trainer-und-Trainerinnen-Die-Mannschaft-ist-eine-Einheit;art798,9752261#paywallanchor

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Die Saison-Heimpremiere Handball

TSV Lohr – TSV Unterhaching (Samstag, 19.30 Uhr, Spessarttorhalle)

Ein bisschen Druck ist für die Kontrahenten am zweiten Spieltag schon da, sind doch beide mit Niederlagen in die Runde gestartet. Lohr beim 22:23 in Anzing, Unterhaching zu Hause beim 19:26 gegen die DJK Rimpar II. „Bei Unterhaching gab es einen Umbruch, erfahrene Leute wie Willi Becker, Christoph Schwarz oder Skander Bouasker sind nicht mehr dabei, dafür sind vor allem junge Spieler nachgerückt“, erklärt Lohrs Trainer Bernd Becker. So liege nun viel Verantwortung bei der Unterhachinger Achse mit Martin Dauhrer (Rückraum Mitte) und Johannes Borschel (Kreis), deren Zusammenspiel die Lohrer Abwehrspieler tunlichst unterbinden sollen, wenn es nach ihrem Trainer geht. Auf Seiten der Lohrer ist nach dem Saisonaus von Lorenz Schmitt (Kreuzbandriss) ein zweiter Ausfall hinzugenommen. Jonathan Born hat sich im Spiel gegen Anzing eine noch nicht näher spezifizierte Knieverletzungen zugezogen und dürfte einige Wochen fehlen. Dafür kehrt Bohuslav Zeleny ins Lohrer Team zurück, der zuletzt als Trauzeuge seines Bruders in der tschechischen Heimat weilte.

U. Sommerkorn