Aus eigener Kraft gerettet

30.04.18

TSV Rothenburg – TSV Lohr 20:20 (11:9)

Samstagabend, 21.28 Uhr: Spieler, verletzte und aktive, Trainer, Betreuer und Anhänger des Handball-Bayernligisten TSV Lohr hüpfen wild über den roten Belag der Rothenburger Mehrzweckhalle, fallen ausgelassen übereinander her und lassen laute Jubelschreie erschallen. Soeben hatten sie mit einem 20:20 (9:11) beim direkten Konkurrenten am letzten Rundenspieltag den Klassenerhalt perfekt gemacht. Wochen des Bangens waren vorüber. Es war, als wären nach dem insgesamt neunten Unentschieden der Runde Zentnerlasten von den Schultern der Gäste gefallen.

Zugepackt: Die Lohrer Jakob Röder (links) und Jonathan Born (rechts) stoppen den Rothenburger Nikola Stojanov.

Foto: Jürgen Grimme

Spektakuläre Doppelparade

Einer stand im Mittelpunkt der Ovationen: Gästekeeper Sven Hartig. Der hatte ganze 15 Sekunden vor Schluss beim Stand von 20:20 erst den Versuch des Rothenburger Außenspielers Achim Kulas abgewehrt und anschließend auch den Nachwurf des völlig freistehenden Kreisläufers Tim Ehrlinger. „Da denkst du nicht nach, du machst einfach nur“, erklärte Hartig die Schlüsselszene. Der 23-jährige Schlussmann hatte in der Anfangsphase genau wie seine Vorderleute Probleme gehabt, war dann im Laufe der Partie immer stärker geworden und krönte seine Leistung mit der spektakulären Doppelparade in der Schlussminute.

Wie der Schlussmann befreite sich das gesamte Team aus einer anfangs misslichen Situation, in der die Gäste in der Offensive gegen Rothenburgs kompakte 6:0-Deckung kaum zum Zug kamen und durch Gegenstöße oder über den Kreis immer wieder Tore hinnehmen mussten. Dass sich seine Mannschaft in der Folge aber fing, wertete Lohrs Trainer Bernd Becker „als wahnsinnige Willensleistung“. Vor allem in der Abwehr fand sich der Gast immer besser zurecht, weil die Lohrer schnell merkten, dass von Rothenburger Distanzwürfen kaum Gefahr ausging. „Vorne haben wir uns aber das gesamte Spiel schwer getan“, gab Becker zu. Die Partie war zum Duell der Deckungsreihen und der Torhüter geworden, wobei Rothenburgs Andreas Amann seinem Kollegen Hartig leistungsmäßig in nichts nachstand.

Vorne hatte der Gastgeber im technisch versierten Rückraumspieler Nikola Stojanov und dem am Ende so unglücklich agierenden Kreisläufer Ehrlinger seine Besten, auf Lohrer Seite waren der bewegliche Regisseur Jannik Schmitt, der durchsetzungsstarke Janis Gremzde und der klug agierende Lukas Horky die gefährlichsten. Letzterer wechselte in den Schlussminuten vom Kreis in den Rückraum, weil sein Mitspieler Gremzde zehn Minuten vor dem Ende bei einem Durchbruch einen Schlag auf den Kopf erhalten hatte und benommen ausschied.

„Beide Mannschaften hatten Chancen, das Spiel zu entscheiden“, betonte Lohrs Trainer Becker. Sein Team hatte während der gesamten 60 Minuten in der mit 700 Zuschauern proppenvollen Mehrzweckhalle allerdings nie geführt. Auch, weil Rothenburgs Keeper Amann fünf Minuten vor Schluss beim Stand von 19:19 einen Gegenstoß von Jonas Scheiner parierte. Rothenburg allerdings hatte häufiger die Chance zu besagter Entscheidung – die beste freilich 15 Sekunden vor Schluss bei der von Hartig vereitelten Doppelchance.

Foto: Röder

Auf Lohrer Seite dröhnten 30 Minuten nach Spielschluss laute Gesänge aus der Kabine, in die immer wieder Getränke getragen wurden, wobei Fruchtsäfte zur Zubereitung von Cocktails die einzigen alkoholfreien waren. „Das Kommen hat sich gelohnt“, erklärte vor der Kabine der frühere Kapitän Benjamin Scheiner, der erst am Tag vor dem Spiel aus seiner Wahlheimat, dem kanadischen Toronto, eingeflogen war. Und der 40-jährige Abwehrchef Milan Kralik, der wie seine Mitspieler Andreas Avar und Marius Rahtz mit Saisonende seine Laufbahn in der ersten Mannschaft beendet, meinte: „Einen besseren Abschluss gibt es nicht.“ Anschließend fuhren die Gäste gut gelaunt nach Hause und setzten ihre Feierlichkeiten im Lohrer Sternkeller bis in die frühen Morgenstunden fort.

Für die Rothenburger Gastgeber indes war mit dem Unentschieden in Sachen Klassenerhalt noch nichts klar. Nach dem 24:24 des HSC Coburg II gegen Schlusslicht HSV Bad Blankenburg am Sonntag in der Dritten Liga, müssen sie auf den letzten Spieltag in dieser Klasse am Samstag, 5. Mai, hoffen. Und nämlich darauf, dass mit dem HSC Bad Neustadt und der Coburger Reserve nicht zwei bayerische Teams absteigen. Steigen beide ab, müssen die Rothenburger in die Landesliga.

U. Sommerkorn

Rothenburg: Amann, Samd (n. e.) – Schemm 2, Wurst, Kulas 2, Kister 3, Gluhak (n. e.), Ehrlinger 5, Schmidt 1, Wittmann, Skaramuca 2/2, Jasarevic 1, Stojanov 4, Krauter.

Lohr: Hartig, Szabo (1 Siebenmeter) – Zeleny 6/3, J. Scheiner, Seltsam (n. e.), Ferencsik 1, Kralik, Gremzde 3, J. Schmitt 2, Born, Rahtz, Röder 1, Horn 2, Horky 5.

Schiedsrichter: Schweizer/Vornehm (Friedberg/Haunstetten).

Zeitstrafen: 4:2.

Siebenmeter: 3/2 – 4/3.

Zuschauer: 700.

Spielfilm: 3:0 (4.), 6:2 (10.), 6:5 (14.), 9:9 (27.), 11:9 (30.), 15:12 (36.), 17:16 (45.), 18:18 (51.), 20:19 (57.), 20:20 (59.).

Quelle: https://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Rettung-Hilfe-Fruchtsaefte-Lohrer-retten-sich-aus-eigener-Kraft;art798,9948875#paywallanchor

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