Begegnung mit neuer Regel

26.09.16

Foto: A. Röder

Foto: A. Röder

TSV Lohr – Haspo Bayreuth 26:26 (14:12)

Viele unter den 500 Anwesenden in der Lohrer Spessarttorhalle hatten sich bereits erhoben, um Applaus für das heimische Team zu spenden. Kinder stürmten aufs Spielfeld, um nach dem vermeintlichen Ende der Partie sich selbst als Handballer zu betätigen. Auf der Anzeigentafel waren die abgelaufene Spielzeit von 60:00 Minuten und ein Stand von 26:25 für die Gastgeber zu lesen. Doch Schluss war noch nicht, und mit einem Lohrer Sieg wurde es am Ende auch nichts. Und das lag an einer seit Sommer gültigen Änderung des Handballregelwerks.

Hitzige Diskussionen

Eigentlich schien alles auf einen Sieg der Gastgeber hinauszulaufen. Bei einem Lohrer Angriff in der letzten Minute kam der Ball zu Andreas Avar, der bei seinem Wurf unfair bedrängt wurde. Siebenmeter, Rückkehrer Bohuslav Zeleny schritt zum Strich und verwandelte sicher. 26:25 für Lohr, noch zehn Sekunden. Die Bayreuther brachten den Ball flott ins Spiel zurück, ohne in eine nennenswerte Wurfposition zu kommen. TSV-Neuzugang Zoltan Ferenscik ging seinen Kontrahenten Marius Hümpfer heftig an, der Topwerfer der Gäste ging weit vom Tor entfernt zu Boden, die Zeit war um. Nach alter Regelauslegung hätte es noch einen direkt auszuführenden Freiwurf geben müssen, der aber ob seiner großen Entfernung zum Tor aber kaum Erfolg versprochen hätte. Doch nach einer seit Sommer gültigen Regeländerung gibt es bei unsportlichen Fouls in der letzten Minute nicht nur Rot für den Sünder, sondern auch noch Siebenmeter. Diesen verhängte das Cadolzburger Schiedsrichtergespann dann auch, nachdem nach dem Foul noch hitzig diskutiert worden war. Und schließlich traf Yannik Meyer-Siebert zum 26:26-Endstand.

„Das war korrekt. So ist die neue Regel“, erklärte Lohrs Co-Trainer Gerald Schmitt nach dem Schlusspfiff zerknirscht, als noch heftig diskutiert wurde, ob die Referees denn richtig entschieden hätten. „Uns war bekannt, dass es da Siebenmeter gibt. Schließlich kann unser Spieler den Ball nicht mehr weiterpassen“, merkte Gästetrainer Michael Werner an. Und Lohrs Rechtsaußen Benjamin Horn sagte mit etwas ungläubigem Blick: „Da hat uns die neue Regel wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Meyer-Sieberts verwandelter Siebenmeter war das Finale einer Partie, die kaum das Prädikat „handballerisch hochwertig“ verdiente, sondern häufig hektisch, aber bis zuletzt spannend war. „Es ist immerhin ein Punkt gegen eine gestandene Bayernliga-Mannschaft. Wir haben auf jeden Fall mit viel Leidenschaft gespielt“, erklärte Lohrs Trainer Bernd Becker, dessen gute Stimmung allerdings getrübt war. Nach gut 20 Minuten war sein Topwerfer Lukas Horky nach einem Foul des Bayreuthers Marius Hümpfer zu den Boden gegangen, der Lohrer musste verletzt vom Feld und konnte für den Rest der Partie auch nicht mehr eingreifen. „Es sieht so aus, als wäre ihm die Kniescheibe herausgesprungen. Ob dabei mehr kaputt gegangen ist, wird erst eine Untersuchung in der nächsten Woche zeigen. Aber es sieht nicht gut aus“, so Becker.

Ohne Horky fehlte seinem Team aus dem Rückraum die Durchschlagskraft. Zwar profitierten seine Spieler davon, dass sich die Bayreuther vor allem im ersten Spielabschnitt immer wieder Zeitstrafen einhandelten. Doch als der Gast nach der Pause kontrollierter verteidigte, geriet der TSV in Schwierigkeiten und gab einen 17:12-Vorsprung aus der Hand.

Rückraum der Leichtgewichte

Doch auch die Gäste brachten nicht die große Linie ins Spiel, so dass die Partie bis zum Schluss hin und her wogte. Auf Seiten der Gastgeber zeigte Keeper Tom Scheiner eine starke Vorstellung, zudem sorgte Bohuslav Zeleny immer wieder für Gefahr aus dem Rückraum. Als dann bei dem Rückkehrer die Kräfte schwanden, schickte Becker in der Endphase mit den Brüdern Lorenz und Ferdinand Schmitt sowie Jonathan Born einen Rückraum der Leichtgewichte aufs Parkett. Die drei Youngster warfen sich zwar mit Leidenschaft ins Getümmel, leisteten sich in der Endphase aber auch den ein oder anderen technischen Fehler. Da aber auch Bayreuth so manchen Ball verlor, blieb es bis zum Ende eng. Und in dieser spannenden Schlussphase machten die Lohrer dann schmerzhaft Bekanntschaft mit dem veränderten Regelwerk.

U. Sommerkorn

Lohr: T. Scheiner, Szabo (2 Siebenmeter) – Zeleny (8/1), F. Schmitt (4/2), Baudisch, Avar (3), Ferencsik, Kralik, J. Schmitt (1), Horn (6), Rahtz (1), L. Schmitt (1), Born, Horky (2).

Bayreuth: Lenhard (1. – 30.), Pfeifer (31. – 60.), Wittmann (n. e.) – Schalk, Nicola, Hofmann (1), Hümpfer (11), Klima, St. Berghammer (1), Saborowski (6), Meyer-Siebert (2/1), Y. Berghammer (2/2), Goeritz (1), Schöttner (2).

Schiedsrichter: Grimm/Müller (Cadolzburg)

Zeitstrafen: 8:9

Rot: Schöttner (48., 3. Zeitstrafe), Pfeifer (60., Unsportlichkeit, beide Bayreuth), Ferencsik (60., Foulspiel, Lohr)

Siebenmeter: 4/3 – 5/3

Zuschauer: 500

Spielfilm: 2:4 (5.), 5:4 (10.), 9:6 (17.), 9:8 (19.), 11:8 (23.), 12:12 (36.), 14:12 (30.), 17:12 (34.) 18:18 (41.), 19:20 (43.) 21:20 (45.), 21:23 (48.), 24:24 (54.), 25:25 (28.), 26:25 (59“50), 26:26 (60“00).

Quelle: Main-Post