Courage in schier aussichtsloser Lage

27.11.16

Bob Zeleny

Bob Zeleny

Foto: Röder

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TSV Lohr – DJK Waldbüttelbrunn 13:20 (7:8)

Bei oberflächlichem Hinsehen wirkt es etwas merkwürdig, wenn der Trainer einer Mannschaft, die gerade eine Sieben-Tore-Niederlage bezogen hat, betont, dass er stolz auf sein Team sei. Doch genau das tat Lohrs Coach Bernd Becker wenige Minuten, nachdem sein TSV im Derby gegen die DJK Waldbüttelbrunn mit 13:20 unterlegen war und die Gäste in der Spessarttorhalle einen Siegestanz aufgeführt hatten.

„Hut ab vor meinen Spielern, wie sie sich gegen ein Spitzenteam behauptet haben.“

Lohrs Trainer Bernd Becker

Doch das Lob Beckers wird verständlicher, wenn man sich vor Augen führt, unter welchen Umständen die Lohrer das Derby bestritten. Es fehlten vier verletzte und enorm wichtige Stammspieler, während der Begegnung mussten auch noch Lorenz Schmitt (lädierter Rücken) und Marius Rahtz (Rote Karte) das Feld vorzeitig verlassen. Nicht wenige hatten die Lohrer schon vor der Partie als chancenlos gesehen. Die Folge der Ausfälle beim TSV war, dass eine Lohrer Formation auf dem Parkett stand, die so in der Bayernliga noch nie zusammengespielt hatte und die dem Favoriten trotzdem lange Zeit das Leben schwer machte. „Hut ab vor meinen Spielern, wie sie sich gegen ein Spitzenteam behauptet haben. Wir können viel Positives für die nächsten Wochen mitnehmen“, erklärte Becker, der „großen Willen und Leidenschaft“ bei seinen Handballern gesehen hatte.

Anfangs schien es jedoch so seinen Gang zu gehen, wie mancher auf Lohrer Seite das befürchtet hatte. Die Gastgeber konnten sich gegen die Waldbüttelbrunner 6:0-Deckung kaum einmal durchsetzen, während sich die DJK mit kontrolliertem Spiel eine Chance nach der anderen erarbeitete. 6:3 führte der Tabellenzweite nach 14 Minuten. „Dann aber sind wir im Abschluss nicht mehr konsequent“, sprach Waldbüttelbrunns Trainer Dusan Suchy den Umstand an, dass sein Team in der Folge drei glasklare Chancen ausließ. Das war auch ein Verdienst des starken Tamas Szabo im Lohrer Tor. Aber auch seine Vorderleute wurden zunehmend stärker mit der Folge, dass dem Gast plötzlich nicht mehr viel einfiel bei seinen Angriffsaktionen. Es war kein schönes Spiel – im Gegenteil. Beide Kontrahenten produzierten haufenweise technische Fehler, vor allem die Lohrer versuchten immer wieder, das Tempo zu verschleppen. Doch immerhin gelang es den Gastgebern, Sand ins Getriebe der in dieser Saison häufig so hoch gelobten DJK-Angriffsmaschine zu streuen. „Das waren heute unsere Mittel. Anders geht es im Augenblick nicht. Aber die Jungs haben gekämpft und das toll gemacht“, lobte der 34-jährige Torwart-Routinier Tamas Szabo seine jüngeren Mitspieler.

Als dann Bohuslav Zeleny – vor der Saison erst von Waldbüttelbrunn nach Lohr zurückgekehrt – den Ball nach 34 Minuten zum 9:9-Ausgleich ins Gästetor wuchtete, träumte vielleicht manch einer der Lohrer Anhänger unter den 600 Zuschauern in der Spessarttorhalle von einer Überraschung. Doch der Gast reagierte – nicht mit einem Offensivfeuerwerk, sondern mit intensivierter Abwehrarbeit. 14 Minuten blieb Lohr in der Folge ohne Tor, Angriffsaktion auf Angriffsaktion landete in den Fängen der DJK-Abwehr oder des nun immer stärker werdenden Keepers Max Feuerbacher. Dass Lohr nun immer weniger gelang, lag freilich auch daran, dass Becker den Spielern seines geschrumpften Kaders kaum noch Pausen verschaffen konnte und die Kräfte gegen Ende der Begegnung zusehends schwanden. So war die Partie eigentlich entschieden, als DJK-Spielmacher Manuel Feitz in der 48. Minute den Ball zum 9:13 im Lohrer Tor versenkte.

„Wir haben die Partie bis kurz vor Schluss offengehalten“, stellte Becker das Positive heraus, der ferner auch die Rückenverletzung von Lorenz Schmitt nach erstem Hinsehen als „wohl nicht so schlimm“ einstufte. Die kämpferische Einstellung seiner Spieler macht dem Lohrer Coach Mut für die anstehenden Aufgaben beim TV Erlangen-Bruck und zu Hause gegen den HC Sulzbach-Rosenberg. In diesen beiden Partie wird es dann allerdings nicht reichen, dass seine Spielern für ihre kämpferische Einstellung belobigt werden. Die nächsten Kontrahenten sind direkte Rivalen beim Kampf um den Klassenerhalt. Und in Duellen mit solchen Gegnern zählen nun mal zuallererst die Punkte.

U. Sommerkorn

Lohr: Szabo (1. – 53.), T. Scheiner (53. – 60.) – Zeleny (6/2), J. Scheiner, Seltsam (2), Ferencsik, Avar (1), Kralik, J. Schmitt (3), Born (1), Rahtz, L. Schmitt, Hartig (n. e.).

Waldbüttelbrunn: Varga (1 – 30.), Feuerbacher (31. – 60.) – Stumpf (2), Villanueva Perez (3), Beißner, Rother, Feitz (8/5), Tendera (2), Glöggler (2), Feuchtmann, Issing (1), Kirchner (1), Meyer (1), Demel.

Schiedsrichter: Grimm/Müller (Cadolzburg)

Zeitstrafen: 7:3

Rot: Rahtz (50., 3. Zeitstrafen, Lohr)

Zuschauer: 600

Spielfilm: 1:3 (6.), 3:6 (14.), 5:6 (16.), 7:8 (25.), 9:9 (34.), 9:13 (48.), 12:15 (55.), 12:19 (58.)

Quelle: Main-Post