Das Spiel aus der Hand gegeben

24.09.17

Zusammenhalt ist angesagt

Zusammenhalt ist angesagt

Foto: Yvonne Vogeltanz

TSV Lohr - TSV Unterhaching 22:25 (14:11)

Die Stimmungslagen bei den Beteiligten hätten nach dem Abpfiff kaum unterschiedlicher sein können. Während die meisten Spieler der gastgebenden Lohrer nach einem kurzen Dank an die 500 Zuschauer das Parkett der Spessarttorhalle schnell Richtung Kabine verlassen hatten, hüpften die Unterhachinger nach ihrem 25:22-Erfolg ausgelassen herum und riefen „Auswärtssieg, Auswärtssieg“. Anschließend trugen zwei Gästespieler, auf deren Shirts der sinnige Schriftzug „Keine Macht den Drogen“ prangte, zwei Kisten oberbayerisches Hellbier in ihre Kabine. Und Unterhachings Spielmacher Martin Dauhrer verkündete: „Das wird eine lustige Heimfahrt.“

Überzeugende erste Halbzeit

Dagegen war den Hausherren das Lachen nach einer Partie, die Spieler und Trainer recht ratlos zurückließ, erst einmal vergangen. „Schwer zu erklären, was da gelaufen ist“, antwortet Lohrs Trainer Bernd Becker auf die Ursache der Niederlage angesprochen. Denn sein Team hatte zur Pause eigentlich wie der sichere Sieger ausgesehen, nachdem der Gastgeber seine anfänglichen Probleme in den Griff gebracht und nach einem 5:7-Rückstand (14.) die Abwehr stabilisiert hatte. Die Folge waren zahlreiche Lohrer Ballgewinne in der Deckung und eine Reihe von Gegenstoßtreffern, meist über den flinken Ferdinand Schmitt. So lagen die Gastgeber beim Wechsel mit 14:11 vorn. „Gefühlt war es eine 17:9-Führung“, so Trainer Becker und spielte damit darauf an, dass seine Mannen in der Endphase der ersten Hälfte noch zahlreiche dicke Chancen ausgelassen hatten. Vergebene Chancen, die sich rächen sollten.

Nach dem Wechsel warfen die Gastgeber ihren Vorsprung binnen weniger Minuten weg (14:14, 36.), oft waren überhastete Abschlüsse aus dem Rückraum für die Lohrer Ballverluste ursächlich. „Wir hatten ein klares Konzept, und wir haben uns nicht daran gehalten“, kritisierte Bernd Becker die mangelnde taktische Disziplin seiner Spieler. Und Unterhaching nutzte diese Schwächen, die Torhüter und die aggressive 3:2:1-Deckung der Gäste wurden in der Folge immer stärker. Und die Chance, vor der für Bayernliga-Verhältnisse großen Kulisse von 500 Zuschauern gewinnen zu können, wirkte für das Team aus dem Münchner Süden als zusätzliche Motivation. „In Lohr kannst du nur gewinnen, wenn du 60 Minuten lang dagegenhältst“, betonte Unterhachings Rückraumspieler Philipp Heinle.

Lohr indes hatte vollends seine spielerische Linie verloren. Immer wieder rannten sich die Gastgeber in der Unterhachinger Deckung fest. „Vielleicht wollten wir zu viel und die Tore erzwingen. Wir hätten es etwas ruhiger angehen sollen“, bemerkte Lohrs Spielmacher Jannik Schmitt nach der Partie. Doch die angesprochene Ruhe und Abgeklärtheit brachten die Gastgeber einfach nicht in ihr Spiel. „Egal, wen ich eingewechselt habe, es hat nichts geändert“, konstatierte Bernd Becker, dass sein Team in der zweiten Hälfte komplett den Faden verloren hatte und nur noch kümmerliche acht Treffer erzielte.

So zog Unterhaching in den Schlussminuten, vor allem durch die Aktionen seines klugen Spielmachers Martin Dauhrer und die Durchsetzungskraft seines Kreisläufers Johannes Borschel, vorentscheidend auf eine 23:20-Führung weg (56.) und gab den Vorsprung in der Folge auch nicht mehr her.

Vor schweren Wochen?

Für Lohr war damit der Saisonfehlstart nach der Auftaktniederlage in Anzing perfekt. Und für Bernd Beckers Handballer dürfte es in der näheren Zukunft nicht einfacher werde. Am kommenden Wochenende geht es zum heimstarken Aufsteiger Ottobeuren, dann folgen Spiele gegen die mutmaßlichen Spitzenteams aus Friedberg und Waldbüttelbrunn. Anlässe, so fröhlich zu feiern wie die Unterhachinger am Samstagabend, könnte es für die Lohrer erst einmal nicht so häufig geben.

U. Sommerkorn

Lohr: Szabo, S. Hartig (n. e.) – Zeleny (4), L. Scheiner (n. e.), Seltsam (1), F. Schmitt (6/1), Ferencsik (1), Avar (1), Kralik, Gremzde (3), J. Schmitt (2), Rahtz (1), Horn, Horky (3).

Unterhaching: F. Allmendinger (1. – 16., 47. – 50.), S Allmendinger (16. – 47.) – Wagner, Epp, Borschel (7/2), Kropp, Hermann (4/1), Dauhrer (5), Elmer, Newel (1), Beiche (2), Heinle (4), Buschmann (2), Behm.

Schiedsrichter: Müller/Schaarschmidt (Kottern).

Zeitstrafen: 7:8.

Siebenmeter: 2/0 – 4/3.

Zuschauer: 500.

Spielfilm: 4:2 (7.), 5:7 (14.), 12:8 (23.), 14:10 (27.), 14:14 (36.), 17:17 (44.), 20:20 (54.), 20:23 (58.), 22:24 (60.).

Quelle: https://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Friedberg-Handballspieler-Der-Lohrer-Saisonfehlstart-ist-perfekt;art798,9754493#paywallanchor

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