Der Euphorie trotzen

15.09.16

Drei Monate lang hieß es beim TSV Lohr rennen, Gewichte stemmen oder an der spielerischen Abstimmung in Abwehr und Angriff feilen. Am Samstagabend ab 19.30 Uhr wird sich beim Handball-Bayernligisten zeigen, ob sich die Mühen in der Vorbereitungszeit gelohnt haben. Dann nämlich ist für den TSV Anpfiff zur neuen Runde. Beim VfL Günzburg werden die Lohrer im Aufsteigerduell zeigen müssen, wo sie gegenwärtig stehen.

Zuletzt hat TSV-Trainer Becker daran gearbeitet, seinem personell ausgedünnten Rückraum Gefährlichkeit einzuhauchen. Zwar ist mit Bohuslav Zeleny ein beweglicher und torgefährlicher Akteur vom Ligarivalen DJK Waldbüttelbrunn zurückgekommen, dagegen hat mit Fabian Zehnter der einzige Linkshänder unter den Rückraumspielern den TSV aus beruflichen Gründen Richtung Bochum verlassen. Zudem fehlt mit Janis Gremzde ein für Abwehr und Angriff wichtiger Akteur wegen einer Leistenverletzung bis zum Jahresende.

„Wir haben zuletzt einige Varianten trainiert. Die haben auch ganz gut funktioniert“, betont Trainer Becker. Dabei dürften Lukas Horky und Jonathan Born erste Kandidaten für die Problemposition im rechten Rückraum sein.

Als zweiter Torhüter neben Tamas Szabo wird Tom Scheiner auflaufen. Manuel Prokscha, der Dritte unter den Torhütern, ist nach einer Leistenverletzung gerade erst wieder ins Training eingestiegen und soll zunächst in der zweiten Mannschaft Spielanteile erhalten. Ferner war zuletzt auch Andreas Avar angeschlagen, er plagte sich mit Rückenproblemen herum. Doch seit Dienstag trainiert der Linksaußen wieder. „Andi wird mit nach Günzburg fahren. Ob es für einen Einsatz reicht, wird man sehen“, erklärte sein Trainer vor dem Duell der Aufsteiger und Landesligameister. Lohr holte sich im Frühjahr den Titel in der Gruppe Nord, Günzburg im Süden.

Einst in der Bundesliga

Zuletzt hat Becker auch versucht, über den Gegner Informationen herbeizuschaffen. Der gastgebende VfL hatte in den 80er Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts für vier Jahre in der Bundesliga gespielt, doch zuletzt tummelten sich die Handballer aus dem bayerischen Teil Schwabens in den Niederungen der Bezirksober- oder Landesliga. Doch durch gezielte Nachwuchsarbeit, die A-Jugend des VfL spielte von 2013 bis 2015 in der Bundesliga, kam der Traditionsverein wieder auf die Beine. 2013 übernahm Stephan Hofmeister als hauptamtlicher Trainer die erste Mannschaft. Binnen drei Jahren schaffte er nun den Durchmarsch von der Bezirksoberliga in die Bayernliga.

„Gerade zum Saisonstart ist es extrem unangenehm, in Günzburg spielen zu müssen“, stellte Lohrs Abteilungsleiter Ludwig Scheiner klar. Denn die jüngsten Erfolge haben nämlich Euphorie beim VfL ausgelöst. In der abgelaufenen Saison beim Derby in der Landesliga Süd gegen den Kreisrivalen TSV Niederraunau kamen 1500 Zuschauer in die Sporthalle an der Rebaystraße. Und auch nun gegen Lohr werden 800 bis 1000 Betrachter erwartet.

Auch Trainer Becker zeigt Respekt. „Das ist eine junge Mannschaft, die offensiv deckt und stark im Gegenstoß ist. Außerdem spielen die Günzburger mit viel Begeisterung“, sagt der Coach über den VfL. Sein Ziel ist es, die Gastgeber in den Positionsangriff zu zwingen, da die Wurfkraft des VfL aus der Distanz überschaubar ist, zumal mit Michael Jahn ein gefährlicher Rückraumspieler wegen einer Fingerverletzung ausfällt. „Es wird ein heißer Tanz“, sagt Becker, der sich mit einem Erfolg in Günzburg eine gute Ausgangsposition für die Heimpremiere am Samstag, 24. September, gegen Haspo Bayreuth verschaffen will.

U. Sommerkorn

Quelle: Main-Post