Die Lohrer grüßt das Murmeltier

04.12.16

Jannik Schmitt

Jannik Schmitt

Foto: Röder

TV Erlangen/Bruck – TSV Lohr 26:22 (14:9)

Ein bisschen dürfte es Lohrs Trainer Bernd Becker dieser Tage so gehen wie Phil Connors, der von Bill Murray verkörperten Hauptfigur im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. In dem Hollywoodstreifen von 1993 erlebt Connors nach dem Aufwachen wieder und wieder den selben Tag, scheint gefangen in einer Zeitschleife. Auch bei Bernd Becker, Trainer der Lohrer Handballer, läuft dieser Tage bei Bayernliga-Spielen immer wieder der selbe Film ab. Sein personell dezimiertes Team müht sich, liefert einen engagierten Auftritt und geht am Ende doch als Verlierer aus der Halle, weil es handballerisch und von der personellen Breite des Kaders schlichtweg nicht reicht. Auch am Samstagabend lief für die Lohrer in der Hiersemann-Halle so, auch in Erlangen grüßte das Murmeltier.

Sachlicher Ton

Nach der Partie saßen der Lohrer Trainer und auch eine Reihe von Spielern rund um die Bank und unterhielten sich. Nicht aufgeregt, sondern in sachlichem Ton. Über ihre gegenwärtige Lage scheinen sich die Beteiligten im Klaren zu sein. „Der Ablauf der Spiele kopiert sich irgendwie“, merkte Trainer Becker an.

Die ohne vier verletzte Stammspieler angereisten Gäste hatten auch noch mit dem Handicap zurechtkommen müssen, dass mit Bohuslav Zeleny ihr gefährlichster Werfer mit einer Schienbeinprellung auflief und so gehandicapt in seinen Bewegungen war. So konnte Zeleny nicht die Wirkung entfalten wie sonst. Zudem stand den Lohrern mit dem TV Erlangen/Bruck ein Gegner gegenüber, der mit einer offensiven Deckung immer wieder Ballgewinne erzwang und jede Möglichkeit zum schnellen Gegenstoß suchte. So sahen die gut 100 Zuschauer ein bisweilen wildes Spiel, in dem es schnell hin und her ging. Weil aber Erlangen/Bruck bei seinen Gegenstößen zahlreiche Bälle wegwarf und Lohrs Keeper Tamas Szabo einen richtig guten Tag erwischt hatte, hielt der TSV die Partie die ersten 20 Minuten lang offen. Dann aber verwerteten die von ihrem flinken Spielmacher Philipp Hirning angetriebenen Gastgeber ihre Chancen konsequenter und zogen bis zu Pause auf 14:9 und anschließend gar auf 17:10 weg. „Wir haben lange Zeit mit viel zu wenig Bewegung gespielt“, kritisierte der TSV-Trainer.

Doch just nachdem Becker seinen Topwerfer Zeleny vom Feld geholt hatte, kam sein Team noch einmal ins Spiel zurück. „Plötzlich spielen wir konzentrierter und disziplinierter“, fasste Becker zusammen. In einer Rückraumreihe mit den Nachwuchskräften Jannik Schmitt, Jonathan Born und Jonas Scheiner holte der TSV Tor um Tor auf. Und als Linksaußen Andreas Avar zum 19:19 (49.) einwarf, konnten Optimisten auf Lohrer Seite sogar von einer Überraschung träumen. „Anschließend haben wir einmal die Möglichkeit, in Führung zu gehen, nutzen die Chance aber nicht“, bedauerte Becker. Dagegen verwerteten die Gastgeber, denen in der Endphase ihre besser besetzte Bank zupass kam, ihre Chancen konsequent, auch weil die Lohrer ihr während der Aufholjagd gezeigtes Niveau nicht hielten. Ein paar Lohrer Fehlpässe, ein paar Abstimmungsprobleme in der Deckung – und schon war Erlangen/Bruck entscheidend davon gezogen.

„Wir haben gekämpft, aber es fehlen im Augenblick einige Dinge“, betonte Milan Kralik. Und der 39-jährige Abwehrchef des TSV benannte auch die Defizite: „Uns fehlen wichtige Spieler, aber eben auch Routine und Qualität.“ Dabei wies Kralik darauf hin, dass eine Reihe von TSV-Akteuren, die in Erlangen auf dem Feld standen, sogar noch Jugend spielen dürften oder eigentlich zum Kreis der zweiten Mannschaft zählen. Das sind sicher plausible Erklärungen.

Freilich zeigt ein Blick auf die Tabelle, nachdem der TSV sein sechstes Punktspiel in Serie verloren hat: Lohr ist eines von fünf Teams am Tabellenende, das nach Saisonende möglichst nicht auf einem der zwei oder drei Abstiegsplätze stehen will. Wie viele Teams den Gang in die Landesliga antreten müssen, richtet sich danach, wie viele bayerische Absteiger es aus der Dritten Liga gibt. So wird das Lohrer Heimspiel am Samstag, 10. Dezember, gegen den direkten Konkurrenten HC Sulzbach-Rosenberg zum Endspiel: „Das ist enorm wichtig, es ist ein Finale. Das müssen wir gewinnen, und das werden wir auch“, so Trainer Becker.

Zwei Neuzugänge

Der Grund für so viel Optimismus könnte darin liegen, dass eine Besserung der Personalsituation in Sicht scheint. Am kommenden Wochenende soll Fabian Zehnter wieder dabei sein, die Spielberechtigung für den vor der Saison zum westfälischen Landesligisten Borussia Höchstens gewechselten und nun nach Lohr zurückkehrenden Rückraumspieler soll in dieser Woche beantragt werden. Dazu soll ein weiterer Rückraumspieler kommen, den die Lohrer in dieser Woche vorstellen wollen.

U. Sommerkorn

Erlangen-Bruck: Zapf, Wagner (n. e.) – Ochs (8/7), Mücke, Hirning (4), Völcker (3), Wolf, Scholten, Wenzel (1), Eichhorn (2/1), Kohler (4), Duscher (4), Mangen, Berger.

Lohr: Szabo (1. – 59.), T. Scheiner (59. – 60, 3 Siebenmeter) – Zeleny (3/2), J. Scheiner, Seltsam, Ferencsik, Avar (5), Kralik, J. Schmitt (6), Born (5), Rahtz (2), L. Schmitt (1), Hartig.

Schiedsrichter: Besler/Böhme (Waltenhofen)

Zeitstrafen: 3:2

Siebenmeter: 8/7 – 2/2

Zuschauer: 100.

Spielfilm: 2:1 (5.), 3:4 (14.), 8:7 (19.), 14:8 (29.), 15:10 (33.), 17:10 (36.), 18:16 (45.), 19:19 (50.), 20:20 (52.), 23:20 (55.), 24:22 (56.).

Quelle: Main-Post