Ein Derby ohne Derbyhelden

25.02.18

TSV Lohr – DJK Waldbüttelbrunn 22:22 (11:10)

Ganze 151 Sekunden, nachdem der Lohrer Janis Gremzde im Derby gegen die DJK Waldbüttelbrunn den Treffer zum 22:22 erzielt hatte, hatten die Protagonisten beider Teams noch Gelegenheit, den Nachbarschaftsvergleich für sich zu entscheiden. Doch Gastgebern und Gästen gelang bei jeweils zwei Angriffen kein Treffer mehr, das unterfränkische Duell endete exakt wie im Hinspiel mit einem 22:22. Und das Derby in der Spessarttorhalle blieb ohne echten Derbyhelden.

Waldbüttelbrunn ging bei den letzten beiden Angriffen arg auf Sicherheit und verlor zweimal den Ball, nachdem die Schiedsrichter bereits den Arm gehoben hatten, um einen unmittelbar bevorstehenden Pfiff wegen Zeitspiels anzukündigen. „Wir hatten uns vorher viele technische Fehler geleistet. Vielleicht fehlen dann in solch einer Situation die letzten zehn Prozent Selbstvertrauen“, erklärte Gästespielmacher Manuel Feitz die wenig zwingenden Aktionen seines Teams.

Griff ans Trikot: Waldbüttelbrunns Lukas Tendera stoppt den Vorwärtsdrang des Lohrers Benjamin Horn (rechts).

Foto: Yvonne Vogeltanz

Doch auch den Gastgebern, die in den letzten 30 Sekunden bei Ballbesitz die Chance zum Siegtor besaßen, fehlte die allerletzte Konsequenz. Fast schien es so, als sei es vordringlich, die Uhr herunterzuspielen und den Gegner nicht mehr in Ballbesitz kommen zu lassen. So musste sich TSV-Rückraumspieler Janis Gremzde, als die Zeit fast um war, einen Wurf weit weg vom DJK-Tor nehmen, der eine leichte Beute von Gästekeeper Max Feuerbacher wurde. „Zufrieden sind wir auf jeden Fall“, so Lohrs Rückraumspieler Jannik Schmitt. „Klar, wir haben am Schluss noch die Chance zu gewinnen. Aber insgesamt ist das Ergebnis okay.“

Das Wort „zufrieden“ fiel auch in der Nachbetrachtung der Trainer Bernd Becker (Lohr) und Dusan Suchy (Waldbüttelbrunn). Becker sprach von einem „hoch interessanten Spiel“ und würdigte die Deckungsleistungen beider Teams. Suchy meinte: „Beide Mannschaften haben in der zweiten Hälfte die Chance, sich abzusetzen, und nutzen diese Chancen nicht. Deshalb ist das Ergebnis gerecht.“

Gleichwohl war die Partie zweier Kontrahenten, die ihre Stärken und Schwächen in- und auswendig kannten, kein handballerischer Leckerbissen. Im Angriffsspiel leisteten sich die Kontrahenten zahlreiche technische Fehler. Lohr konnte sich indes bei seinem starken Keeper Tamas Szabo bedanken, der eine Reihe von klaren Waldbüttelbrunner Chancen zunichte machten. Die Gäste wiederum agierten am wirkungsvollsten, wenn sie ihre Kreisläufer Bastian Demel und Matthias Grünert in Szene setzen. Um massigen Männer am Kreis zu stoppen, schickte Becker Mitte der zweiten Hälfte Lukas Horky wieder ins Abwehrzentrum, obwohl der Tscheche zu diesem Zeitpunkt bereits mit zwei Zeitstrafen belastet war. „Das war eine bewusste Entscheidung. Aber mir war natürlich auch klar, dass das auch ein Risiko bedeutete“, erklärte Lohrs Trainer Becker. Ein Risiko, das sich für die Gastgeber nicht auszahlen sollte. Denn Horky erhielt nach einer Dreiviertelstunde die dritte Zeitstrafe und damit Rot – kurioserweise allerdings für ein Foul, das eigentlich sein Teamkollege Jonas Scheiner begangen hatte.

Dennoch hatte der Verlust des Lohrer Führungsspielers in der Schlussphase geringere Konsequenzen, als manch ein Anhänger der Hausherren befürchtet haben mag. Die Akteure beider Teams fanden in den Schlussminuten ihre große spielerische Linie nicht und mussten daher mit einem Unentschieden zufrieden sein.

U. Sommerkorn

Lohr: Szabo, Hartig (n. e.) – Zeleny 9/1, J. Scheiner, Seltsam (n. e.), F. Schmitt 1, Ferencsik 2, Kralik, Gremzde, J. Schmitt 2, Born 1, Röder (n. e.), Horn 3, Horky 1.

Waldbüttelbrunn: Sincich (1. – 25.), Feuerbacher (25. – 60.) – Dutz 1, Stumpf 4, Rother, Feitz 7/2, Tendera 1, Boldt (n. e.), Issing, Kwiatkowski 3/1, Kirchner, Demel 2, Meyer, Grünert 4.

Schiedsrichter: Langner/Liebsch (Weitramsdorf/Hammelburg).

Zeitstrafen: 5:5.

Rot: Horky (45., Lohr, 3. Zeitstrafen).

Siebenmeter: 1/1 – 5/3.

Zuschauer: 500.

Spielfilm: 2:1 (5.), 7:5 (19.), 7:8 (22.), 11:10 (30.), 15:12 (36.), 18:19 (48.), 21:20 (53.), 21:22 (57.), 22:22 (58.).

Quelle: https://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Zeitstrafen-Friedberg-Ein-Derby-ohne-Derbyhelden;art798,9896591#paywallanchor

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