Engagierte Lohrer können feiern

08.05.17

Bob Zeleny

Bob Zeleny

Foto: Röder

TSV Lohr – SV Anzing 21:20 (13:11)

Als das letzte Heimspiel der Saison vorüber war, ging's zum Feiern ins TSV-Heim in der Jahnstraße. Dort nahmen die Lohrer Handballer bis in die frühen Morgenstunden das ein oder andere Getränk zu sich und freuten sich darüber, dass eine mitunter schwierige Saison für sie versöhnlich – sprich mit dem Klassenerhalt – geendet hatte. Am kommenden Samstag endet für das Team die Runde dann endgültig mit einem Auswärtsspiel in Landshut. Anschließend steigt ein Teil der Mannschaft in den Flieger nach Toronto, um den mittlerweile in Kanada lebenden Ex-Kapitän Benjamin Scheiner zu besuchen. Der 36-jährige Auswanderer weilte beim Spiel gegen Anzing während eines Heimatbesuchs im Publikum und konnte ein für die Lohrer Rückrunde typisches Spiel beobachten. Sein früheres Team bot keine Partie, die allerhöchste handballerische Ansprüche erfüllte, doch gefielen die Gastgeber durch einen engagierten Auftritt, der am Ende in einen Sieg mündete.

Umstellung in der Abwehr

Dabei hatte es für die Lohrer alles andere als gut begonnen. Immer wieder verhedderten sie sich in der aggressiven Anzinger Deckung. Und der Gast brachte den Ball schnell nach vorne und lag nach einer Reihe einfacher Tore nach 16 Minuten mit 8:5 vorn. „Zum Glück haben uns unsere Umstellungen geholfen“, betonte TSV-Trainer Bernd Becker. So änderte er das Deckungssystem von 6:0 auf 5:1 mit dem Youngster Lorenz Schmitt auf der vorgezogenen Position. Dieser störte den Anzinger Spielfluss merklich. Und in der Offensive sorgte er mit seiner Beweglichkeit auf der halbrechten Rückraumposition für mächtigen Wirbel. „Das war ein Spiel für mich. Da konnte ich meine Fähigkeiten zeigen“, freute sich Lorenz Schmitt hinterher. Neben dem Youngster belobigte Becker auch seinen Keeper Tom Scheiner. An dem war in der Anfangsphase das Spiel noch weitgehend vorbeigelaufen, so dass nach 20 Minuten schon mancher mit einem Torwartwechsel rechnete. Doch plötzlich fand Scheiner ins Spiel. „Wenn du mal zwei oder drei Bälle hältst, gewinnst du Sicherheit. Und nach der Pause war es dann richtig geil“, so Scheiner. Denn da parierte er einen freien Ball nach dem anderen, darunter auch zwei Siebenmeter.

Dem Keeper tat ein solch starkes Spiel besonders gut: Schließlich wird die Partie gegen Anzing sein letztes Bayernliga-Heimspiel für lange Zeit gewesen sein. Zunächst startet er nach Kanada, um seinen Cousin Benjamin in Übersee zu besuchen. Anschließend will er noch einige Monate Nordamerika erkunden, bevor er sich im September einer Hüftoperation unterziehen muss, wegen der er wohl die komplette kommende Saison verpassen dürfte. Nach 43 Spielminuten lief Tom Scheiner in Richtung Bank und wurde von seinen Teamkollegen abgeklatscht. Nicht zuletzt dank seiner Paraden war aus einem 5:8-Rückstand eine 19:13-Führung geworden. Doch er sollte auch in der Endphase noch gefordert sein, da seine Mitspieler in der Folge kaum noch trafen. So kam Anzing wieder heran, doch da Lohrs Hintermannschaft funktionierte, war es keine schnelle Aufholjagd. Das Anschlusstor zum 20:21 für die Oberbayern fiel erst 20 Sekunden vor Schluss – und die Lohrer gaben in der Folge den Ball nicht mehr her und konnten am Ende über den Sieg jubeln. „Der war unter dem Strich auch verdient“, erklärte Trainer Becker, bevor seine Jungs zur Feier ins Vereinsheim aufbrachen.

U. Sommerkorn

Lohr: T. Scheiner, Szabo (n. e.) – Zeleny (7/1), J. Scheiner (n. e.), F. Schmitt (5/1), Ferencsik, Avar (3), Kralik, Gremzde (1), J. Schmitt (1), Born, Rahtz (1), L. Schmitt (3), Zehnter.

Anzing: Imhof (1. – 25.), Schrader (25. – 60.) – J. Limbrunner (6/1), Bobach, Ruckdäschel, Batzer (2), Müller (1), Hawranek (4), M. Limbrunner (2), Zirnbauer, Hoxha (5/2), Beffa.

Schiedsrichter: Drummer/Herpoltsheimer (Erlangen)

Zeitstrafen: 6:3

Siebenmeter: 4/2 – 5/3

Zuschauer: 400

Spielfilm: 1:3 (5.), 3:3 (7.), 5:8 (16.), 9:9 (23.), 12:9 (27.), 15:11 (31.), 19:13 (43.), 20:17 (54.), 21:18 (57.), 21:20 (60.)

Quelle: Main-Post