Erleichterung nach Befreiungsschlag

29.01.17

Andi Avar

Andi Avar

Foto: Vogeltanz

TSV Lohr – VFL Günzburg 26:16 (11:9)

Die Blicke nach Ertönen der Schlusssirene sprachen Bände. Während auf der Bank des TSV Lohr strahlende Gesichter auszumachen waren, wirkten die Mienen beim VfL Günzburg betreten, ja sogar bisweilen entgeistert. Denn gerade hatten die Beteiligten des Kellerduells eine Weichenstellung im Abstiegskampf der Bayernliga erlebt. Die gastgebenden Lohrer hatten durch den klaren 26:16-Heimsieg Nichtabstiegsplatz elf gefestigt, den Vorsprung auf Verfolger Günzburg auf drei Zähler ausgebaut und gleichzeitig noch den bei Punktgleichheit ausschlaggebenden direkten Vergleich mit dem VfL gewonnen. Die unterlegenen Gäste sind weiter Tabellenzwölfte und müssen wohl darauf hoffen, dass kein bayerischer Drittligist absteigt. Denn dann würde auch Platz zwölf reichen für den Verbleib im bayerischen Oberhaus.

„Wir haben den Günzburgern nahezu alle ihre Stärken geklaut.“

Bernd Becker, Trainer TSV Lohr

„Klar, der Sieg war unglaublich wichtig. Aber mich freut auch, wie wir gewonnen haben“, betonte TSV-Trainer Bernd Becker nach der Partie. Vor allem seiner engagiert arbeitenden 6:0-Deckung mit einem starken Keeper Tamas Szabo erteilte er ein Sonderlob. „Wir haben den Günzburgern nahezu alle ihre Stärken geklaut und konnten es da sogar leicht verkraften, dass vorne nicht alles funktioniert hat. Allerdings haben wir im Angriff disziplinierter gespielt als zuletzt und hatten deshalb nicht so viele Ballverluste.“ Ein Umstand, der es den Gastgebern allerdings leicht machte, war freilich der, dass Günzburg keine Vorstellung lieferte, die das Attribut „Bayernliga-tauglich“ verdiente. Kontertore der Gäste? Fehlanzeige! Treffer aus dem Rückraum? Fast keine! Überzahlspiel? Da merkte man kaum, dass die verteidigenden Lohrer einen Spieler weniger auf dem Parkett hatten. Wenn der Gast überhaupt mal gefährlich wurde, war es über Kreisspieler Daniel Jäger und den technisch versierten Linksaußen Stefan Knittl. Doch das reichte unter dem Strich einfach nicht.

Lohr legte eine starke Anfangsphase hin und war immer dann gefährlich, wenn der TSV zu schnellen Gegenstößen kam, die in Jannik Schmitt und Ferdinand Schmitt immer wieder dankbare Abnehmer fanden. „Das war wichtig, dass wir uns so zusammengerissen haben“, erklärte Ferdinand Schmitt, der am Ende mit acht Treffern bester Werfer seines Teams und trotz seiner vergleichsweise geringen Körpergröße von 1,78 Meter sogar zweimal mit frechen Würfen aus dem Rückraum erfolgreich war. Zudem brachte der eigentlich auf Rechtsaußen spielende 21-Jährige immer wieder Emotionen ins Spiel, indem er sich nach seinen Treffern in Jubelpose warf, was ihm manch bösen Blick von VfL-Keeper Patrick Rösch bescherte. Vor der Pause hatten die Gastgeber einen Durchhänger und ließen mehrere gute Chancen aus, was aber Günzburg nicht hinreichend nutzte.

So gingen die Hausherren mit einer 11:9-Führung in die Kabine und legten nach dem Wechsel noch einen Zahn zu. Während der Gast kaum noch etwas traf, baute Beckers Team seinen Vorsprung Tor um Tor aus. Nun kamen die Gastgeber auch immer häufiger über den Rückraum zum Erfolg, welcher zuvor gegen Günzburgs aggressive 3:2:1-Deckung seine Probleme mit Würfen aus der Distanz gehabt hatte. Und dass der Sieg am Ende deutlich ausfiel, tat den TSV-Akteuren sichtbar gut. Schließlich hatten sie von den vorangegangen neun Spielen zuvor nur eine Partie gewonnen. Ob das wiedergefundene Selbstvertrauen nun gleich zu einer Siegesserie führt, ist aber eher fraglich. Schließlich warten nun auf die Lohrer in Bayreuth und anschließend zu Hause gegen den überlegenen Spitzenreiter HC Erlangen II hohe Hürden. Aber mit dem jüngsten Positiverlebnis lassen sich die Aufgaben wieder etwas entspannter angehen. Das Punktepolster auf den ominösen Platz zwölf macht's möglich.

U. Sommerkorn

Lohr: Szabo, T. Scheiner (bei 1 Siebenmeter) – Zeleny (6), J. Scheiner (n. e.), F. Schmitt (8/2), Imhof (n. e.), Avar, Kralik, Gremzde (3), J. Schmitt (6), Born (1), Rahtz (1), L. Schmitt (n. e.), Zehnter (1).

Günzburg: Bieber (1. – 19., 51. – 60.), Rösch (19. – 51.) – Knittl (9/4), Jahn (1), Konopa (1), Leix (1), Braun, Barthel, Gucker, Groß, Jensen (1), Lehr (1), Hermann, Jäger (2).

Schiedsrichter: Börkey/Holzner (Unterhaching/Großhadern)

Zeitstrafen: 5:2

Siebenmeter: 2/2 – 6/4

Zuschauer: 500

Spielfilm: 3:1 (4.), 4:3 (9.), 6:3 (13.), 9:5 (18.), 10:6 (28.), 11:9 (30.), 15:10 (37.), 15:13 (41.), 18:13 (45.), 22:14 (52.), 25:15 (57.)

Quelle: Main-Post