Es fehlt die letzte Konsequenz

03.04.17

Marius Rahtz geht unsanft zu Boden

Marius Rahtz geht unsanft zu Boden

Foto: Röder

TSV Lohr – TSV Haunstetten 24:28 (14:16)

Gegen die wirklich guten Teams der Bayernliga fehlt dem TSV Lohr in seiner gegenwärtigen Besetzung und Verfassung oft ein kleines Stück. Dies war auch bei der Heimniederlage gegen den TSV Haunstetten zu beobachten. Die Hausherren spielten phasenweise gut mit, zeigten auch immer wieder schön anzusehende Angriffs- und beherzte Abwehraktionen, doch gegen clevere und in der Abwehr robust zupackende Gäste, die seit Dezember kein Punktspiel mehr verloren haben, reichte das schlichtweg nicht.

Weckrufe vor dem Anpfiff

Marius Rahtz war sich von Anfang an darüber bewusst, dass es eines besonders guten Tages bedurfte hätte, um Haunstetten zu schlagen. Mehrmals rief der Lohrer Kapitän vor dem Spiel seinen sich etwas halbherzig aufwärmenden Mitspielern zu: „Aufwachen!“ Oder: „So reicht das nicht!“ Und nach der Partie stellte er fest: „Haunstetten spielt eine richtig gute und harte 3:2:1-Deckung. Wenn man da etwas holen will, muss man dahin gehen, wo es weh tut. Oft hat uns der allerletzte Wille gefehlt, konsequent durchzugehen.“ Rahtz selbst hatte bereits nach sieben Minuten mit der robusten Abwehr der Gäste aus dem Augsburger Stadtteil Bekanntschaft gemacht. Haunstettens Abwehrchef Johannes Wiesner hatte den Lohrer Kreisläufer auf die Bretter geschickt und zu einer mehrminütigen Zwangspause auf der Bank verholfen.

Die Weckrufe des Kapitäns vor der Partie waren offenbar nicht unbegründet gewesen. Die Anfangsphase verschliefen die Gastgeber vollends. 2:6 stand es nach gut acht Minuten, dann nahm Lohrs Coach Bernd Becker die erste Auszeit. Ein Schritt, der sich auszahlen sollte. Denn fortan agierten die Gastgeber beherzter und verkürzten den Vorsprung. Allein der Ausgleich wollte nie gelingen. Eine knappe Dreiviertelstunde lang blieben die Gastgeber dran, ehe Haunstetten vorentscheidend auf 24:19 (49.) wegzog.

Während der Partie stand Becker, sonst eigentlich eher ein ruhiger Vertreter der Spezies Trainer, oft schimpfend und gestikulierend am Spielfeldrand. Gegenstand seines Unmuts war das oberfränkische Schiedsrichter-Duo Wolfgang Balzer/Heiko Schreiner. „Als wir erfahren haben, dass die beiden pfeifen, waren wir eigentlich zuversichtlich. Sonst gehen die konsequent gegen Überhärte vor, heute war das überhaupt nicht der Fall“, so Becker, der „zehn bis zwölf Gesichtstreffer in Zweikampfsituationen“ seitens der Haunstettener Abwehrakteure gegen seine Spieler ausgemacht hatte. Gleichwohl versicherte der Lohrer Coach: „Der Sieg der Haunstettener ist verdient. Was die machen, hat Hand und Fuß. Und sie lassen sich auch in kritischen Situationen nicht aus der Ruhe bringen.“ Seinem Team habe in der zweiten Hälfte die ein oder andere personelle Alternative gefehlt, um das Spiel auf dem Niveau halten zu können, auf dem es sich zwischen der zehnten und 40. Minute bewegt hatte.

Auch die Konkurrenz unterliegt

Eines tröstete den Lohrer Coach aber dennoch: Sein Team hat den Vier-Punkte-Vorsprung auf die zwölftplatzierten Günzburger gewahrt, die ihrerseits in Bayreuth verloren. Nach derzeitigem Stand der Dinge ist der zwölfte Rang ein Abstiegsplatz, nachdem in der Dritten Liga Ost mit dem HSC Coburg II ein bayerisches Team auf einen Abstiegsrang zurückgefallen ist. Und da in dieser Saison noch fünf Spiele zu absolvieren sind, stehen die Lohrer Chancen gut, in der Tabelle am Ende vor den Günzburgern zu stehen.

U.Sommerkorn

Lohr: Szabo (1. – 18.), T. Scheiner (18. – 60.) – Zeleny (5), J. Scheiner, Seltsam, F. Schmitt (8/3), Ferencsik, Avar (2), Kralik (1), Gremzde (3), J. Schmitt (4), Born, Rahtz (1), Zehnter.

Haunstetten: Rothfischer (1. – 59.), Kirn (59. – 60.) – Hütten (2), Schaudt (1), Müller, Schnitzlein (4), Smotzek (6/1), M. Horner (3), Link, Tischinger (6), Elsinger (2), Wiesner (1), A. Horner (3/2).

Schiedsrichter: Balzer/Schreiner (Gefrees)

Zeitstrafen: 4:6

Siebenmeter: 3/3 – 3/3

Zuschauer: 400

Spielfilm: 2:6 (9.), 6:7 (12.), 10:11 (19.), 12:13 (25.), 13:16 (30.), 15:16 (31.), 15:19 (39.), 18:20 (42.), 19:24 (49.), 22:25 (57.), 23:28 (60.).

Quelle: Main-Post