Klar verteilte Rollen vor dem Derby

24.10.16

Ferdi Schmitt

Ferdi Schmitt

Foto: A. Röder

Eigentlich spricht vor dem Unterfranken-Derby in der Handball-Bayernliga gegen die DJK Waldbüttelbrunn (2./13:3) alles gegen den TSV Lohr (10./5:11). Und das hat nicht nur damit zu tun, dass der Gast aus dem Landkreis Würzburg als Tabellenzweiter in die Spessarttorhalle kommt.

Ohne Ferdinand Schmitt

Lohr trägt nämlich in der am Samstag um 19.30 Uhr beginnenden Begegnung einen Rucksack von vier Niederlagen in Folge und muss zahlreiche Ausfälle verkraften. Nachdem Janis Gremzde, Lukas Horky und Benjamin Horn bereits langzeitverletzt fehlen, hat sich das TSV-Lazarett noch vergrößert. Gegen Waldbüttelbrunn fällt nun auch der so vielseitig verwendbare Ferdinand Schmitt aus, der sich bei der jüngsten Niederlage in Haunstetten eine Knieverletzung zugezogen hat. Gleichwohl hat Lohrs Trainer Bernd Becker, der bereits einen Riss des Kreuzbands befürchtet hatte, die Diagnose beinahe mit Erleichterung zur Kenntnis genommen: „Es ist nur eine Dehnung der Außenbänder.“ Daher wartet auf Ferdinand Schmitt nur eine dreiwöchige Sportpause. Bei den Partien im Januar, so hofft der Coach, wird sein Spieler dann wieder dabei sein können.

Aktuell muss der Lohrer Coach aber in Sachen Personal ziemlich improvisieren. Am Samstagabend werden mit Lorenz Schmitt, Nigg Hartig, Jonas Scheiner und Markus Seltsam gleich vier Akteure im Aufgebot der Gastgeber stehen, die die Saison in der Reserve begonnen haben und nun auf Grund der zahlreichen Ausfälle in den Bayernliga-Kader nachgerückt sind. Dazu hoffen die Lohrer, dass ihr Abwehrchef Milan Kralik rechtzeitig in der Spessarttorhalle eintrifft. Der 39-jährige Routinier absolviert dieser Tage einen Lehrgang im nordrhein-westfälischen Ratingen und muss am Samstagnachmittag noch eine Prüfung absolvieren. „Wir gehen aber davon aus, dass Milan rechtzeitig da ist“, so Becker.

Für die aktuell anstehenden Begegnungen mahnt Becker jedoch an, die Situation seines Teams mit Realismus zu betrachten. „Wir wollen uns gut verkaufen“, sagt Becker, der in der Saison 2009/10 selbst ein Jahr in Waldbüttelbrunn tätig gewesen war. Unter ihm schafften Akteure den Sprung in die erste Mannschaft, die heute Leistungsträger sind. Etwa ein Julian Stumpf oder ein Lukas Lutz. Letzterer ist allerdings in der Spessarttorhalle nicht dabei, nach einem Riss im Trommelfell muss der Linkshänder pausieren.

Sonst aber muss der seit dieser Saison amtierende DJK-Trainer Dusan Suchy keine Ausfälle kompensieren und kann auf einen breiten Kader bauen. „Wir stehen oben, Lohr spielt gegen den Abstieg. Da ist es doch klar, dass wir in der Favoritenrolle sind. Aber ich gehe davon aus, dass sich Lohr einige Dinge einfallen lässt, die für uns unangenehm sind“, so Suchy, der vor seiner Tätigkeit in Waldbüttelbrunn den TSV Rödelsee von der Bezirksoberliga in die Dritte Liga geführt hatte.

Sein Team dürfte mit großem Selbstvertrauen anreisen, hat es doch zuletzt wettbewerbsübergreifend sechsmal in Folge gewonnen. Zuletzt beim 26:20-Heimsieg im Spitzenspiel gegen den TSV Friedberg hatte Waldbüttelbrunn eine Vorstellung geliefert, die selbst Lohrs Trainer als „bärenstark“ einstufte. Besonders die auf den Halbpositionen extrem offensive Waldbüttelbrunner 6:0-Deckung stellte den Gegner vor große Probleme. „Die Stimmung bei uns im Training ist gut. Wir wollen wieder schnell aus der Deckung herausspielen. Das brauchen wir, weil wir zwar sehr bewegliche, aber nicht so wurfstarke Spieler haben“, so Suchy.

Augenmerk auf den Rückzug

Dagegen will sein Lohrer Kollege Becker verhindern, dass der Gast zu häufig in den Gegenstoß kommt und einfache Tore erzielt. Um dies zu erreichen, benötigt das Lohrer Team eine niedrige Fehlerquote im Angriff sowie schnelles Rückzugsverhalten nach Ballverlusten.

Bernd Becker indes hofft, dass seine Mannschaft mit der richtigen Mischung aus kontrolliertem Herangehen und Mut sich behaupten kann und zumindest das ein oder andere positive Erlebnis aus der Partie mitnimmt – selbst wenn es am Ende zu einem Punktgewinn nicht reichen sollte.

U. Sommerkorn

Quelle: Main-Post