Lohrer am Scheideweg

27.01.17

Foto: Röder

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Wenn die zwei Teams mit dem höchsten Zuschauerschnitt in der Handball-Bayernliga – der TSV Lohr (11./7:19) mit knapp 500 und der VfL Günzburg (12./6:20) mit knapp 800 Anwesenden im Mittel – aufeinandertreffen (Samstag, 19.30 Uhr, Spessarttorhalle), dann könnte manch unbefangener Betrachter versucht sein, von einem Handballfest zu sprechen. Doch feierlich ist den Lohrer Gastgebern dieser Tage nicht zumute. Sie kommen irgendwie nicht raus aus der Abstiegszone. Und die desolate Vorstellung bei der jüngsten 21:29-Heimniederlage gegen die TG Landshut hat nicht dazu beigetragen, die Stimmung zu bessern. Im Gegenteil, schließlich war die TSV-Mannschaft nach nur 20 Minuten Spielzeit vollends auseinandergefallen. Nach der Partie herrschte Redebedarf. „Wir haben uns am Montagabend zusammengesetzt und über das letzte Spiel gesprochen“, berichtet TSV-Trainer Bernd Becker.

Thematisiert wurde wurde vor allem, wie sich das Team gegen Landshut präsentiert hatte. „Einstellung, Auftreten, Teamfähigkeit“ – das sind Dinge, die der Coach nun für die Partie gegen Günzburg von seinen Handballern einfordert, vor allem von den erfahrenen Kräften. „Die müssen in solch einer Situation voran gehen“, so Becker. Dabei hat die Stimmung nicht nur unter der jüngsten Niederlage gelitten. Auch die seit Mitte Oktober ausbleibenden sportlichen Erfolge – von den letzten neun Spielen gewannen die Lohrer gerade eines – schlagen aufs Gemüt. Dazu kommt eine Flut von Verletzungen, mit denen der Aufsteiger umgehen muss. Der jüngste Ausfall ist Zoltan Ferencsik. Der ungarische Kreisläufer hat sich gegen Landshut den Mittelfinger der Wurfhand gebrochen. Mindestens drei Wochen muss er pausieren, sollte eine Operation an dem lädierten Finger nötig werden, könnte die Zwangspause sogar noch länger dauern. Immerhin gibt es einen Ersatz für Ferencsik. Aus dem Reserveteam rückt David Imhof nach, der vergangene Saison noch zum Aufgebot der ersten Mannschaft gezählt hatte und daher die spielerischen Abläufe bestens kennt.

Keine sichere Sache

„Wichtig ist jetzt einfach, dass wir die beiden Punkte holen. Damit könnten wir uns von einem direkten Konkurrenten absetzen“, formuliert Bernd Becker das für ihn positive Szenario für Samstagabend. Das negative wäre eine Niederlage, mit der der TSV auf den zwölften und damit drittletzten Platz abrutschen würde. Dieser Platz ist zwar gegenwärtig kein Abstiegsrang. Sollte aber in der Dritten Liga ein bayerischer Verein, etwa der HSC Bad Neustadt oder der HSC Coburg II, auf einen Abstiegsplatz rutschen, müsste auch der Bayernliga-Zwölfte absteigen. Klar ist: Die Lohrer können sich ihrer Sache keineswegs sicher sein.

Für etwas mehr Sicherheit könnte also ein Erfolg gegen Günzburg sorgen. Zwar ist die Punkteausbeute des Ex-Bundesligisten in dieser Saison mager, gleichwohl verfügt der VfL über einige Stärken. So etwa die Wurfkraft seines Rückraumakteurs Michael Jahn, die aggressive 3:2:1-Deckung und das Kreisläuferspiel. Gelingt es den Lohrern sich darauf einzustellen und zwei Punkte zu Hause zu behalten, dann könnte es sein, dass die Stimmung beim TSV nach dem Duell der Zuschauer-Krösusse wieder etwas freundlicher sein wird.

U. Sommerkorn

Quelle: Main-Post