Lohrer wollen sich etablieren

15.09.17

Lukas Horký

Lukas Horký

Foto: Röder

Wenn am Samstagabend um 18 Uhr für die Handballer des TSV Lohr die Bayernliga-Saison mit einem Auswärtsspiel beim SV Anzing beginnt, hoffen die Gäste darauf, dass es etwas weniger turbulent zugeht als in der abgelaufenen Runde. In ihrem ersten Jahr nach ihrem Wiederaufstieg ins bayerische Oberhaus hatten die Lohrer in der Hinrunde mit zahlreichen Verletzungen von Leistungsträgern zu kämpfen, in der Rückrunde befreiten sie sich mit einem Kraftakt aus der Abstiegszone und beendeten die Spielzeit als fünftbestes Rückrunden-Team auf Platz neun. Nun wollen sie sich in der Klasse etablieren. In folgenden sieben Punkten beleuchten wir das Team sowie die Bayernliga als solche.

Qualität des Lohrer Teams

„Wenn nichts Außergewöhnliches passiert und wir von Verletzungen verschont bleiben, sind wir eine ernst zu nehmende Bayernliga-Mannschaft und dürften am Ende im Tabellenmittelfeld landen“, erklärt TSV-Trainer Bernd Becker. Dabei hofft er darauf, dass die abgelaufene Rückrunde sein Team weitergebracht hat, als es sich trotz widriger Umstände aus dem Tabellenkeller kämpfte. „Das hat gezeigt, was Willen, Kampfkraft und Teamgeist bewirken können“, sagt Becker, der aber ergänzt: „Spielerisch haben wir sicher noch Luft nach oben. “

Als Lohrer Stärke darf die Deckung gelten, hinter der mit dem 34-jährigen Tamas Szabo einer der besten Keeper der Liga steht. Beste Werfer der Vorsaison waren Bohuslav Zeleny (136 Tore) und Ferdinand Schmitt (129). Beide sind allerdings Typen, die von anderen ins Spiel gebracht werden müssen: Schmitt vor allem mit genauen Pässen bei Gegenstößen oder auf Außen, Zeleny mit Kreuzbewegungen im Rückraum. Was wiederum die These des Trainers stützt, dass Erfolg nur durch gutes Teamwork möglich ist.

Personelle Situation

So arg viel hat sich nicht geändert beim TSV. So spielt Fabian Zehnter wieder beim Landesligisten Borussia Höchsten. Der Linkshänder war um die Jahreswende wegen der schwierigen Personalsituation zu seinem Lohrer Heimatverein zurückgekehrt. Nun ist Zehnter wieder im Ruhrgebiet aktiv, wo er auch beruflich tätig ist. Dagegen stieß mit Sven Hartig ein aus Lohr stammender Torwart zum TSV, der allerdings auch schon für die Jugend des HSC Bad Neustadt, für den TSV Partenstein und für den Drittligisten TV Gelnhausen – das allerdings vorwiegend für die zweite Mannschaft in der Landesliga – gespielt hat. Die Lohrer hatten sich um Hartigs Dienste bemüht, weil bei Keeper Tom Scheiner eine Hüftoperation ansteht – voraussichtlich im November. Der Schlussmann wird dann den Rest der Saison ausfallen. Die Runde verpassen wird auch der talentierte Lorenz Schmitt, der sich in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Dagegen stehen die Leistungsträger Benjamin Horn und Lukas Horky, die nahezu die gesamte abgelaufene Saison nach Kreuzbandrissen verpasst hatten, wieder zur Verfügung.

Der Auftaktgegner des TSV

„Anzing ist ein Gegner, der unsere Kragenweite hat“, sagt TSV-Trainer Becker über den ersten Kontrahenten seines Teams und fügt an. „Wir fahren dahin, weil wir gewinnen wollen.“ Anzings Trainer Hubert Müller wird auf der Vereins-Homepage mit den Worten zitiert: „Ich erwarte Lohr heuer wesentlich stärker als letztes Jahr und gehe davon aus, dass sie im gesicherten Mittelfeld landen werden.“ Allerdings werden die Lohrer die Reise nach Oberbayern ohne ihren Topwerfer Bohuslav Zeleny antreten, der als Trauzeuge seines Bruders bei dessen Hochzeit in der tschechischen Heimat weilt. Außerdem ist Lorenz Schmitt nach seiner Kreuzbandoperation nicht dabei. Auf Seiten der Gastgeber fehlt Florian Zirnbauer, der sich beim Anzinger Trainingslager in Kroatien eine Knieverletzung zugezogen hat.

Die Lohrer Zielsetzung

Wenn Bernd Becker nach seinen Zielen für die Runde befragt wird, fallen die Worte „Tabellenmittelfeld“ und „eine etwas weniger stressige Saison“. Sprich: Die Lohrer wollen in der Liga bleiben und den Klassenerhalt möglichst früh perfekt machen. Das mit dem Klassenerhalt könnte etwas schwieriger werden als in der Vorsaison, als auf Grund der Konstellation in der Dritten Liga nur zwei Teams absteigen mussten und bereits neun mickrige Pünktchen zum Verbleib in der Liga gereicht hätten. „Die Liga ist jetzt wesentlich ausgeglichener“, so Becker. „Da kann es bei einer schlechten Phase schnell passieren, dass man hinten reinrutscht.“

Der Spielplan

„Wir haben die Chance, einen richtig guten Start hinzulegen“, macht Becker klar. Denn Auftaktgegner Anzing, der beim ersten Heimspiel folgende Kontrahent TSV Unterhaching (23. September) und anschließend auswärts Aufsteiger TSV Ottobeuren (30. Oktober) sind Aufgaben, die lösbar erscheinen. Da zwei weitere unterfränkische Teams in der Klasse spielen, stehen für Lohr vier Derbys an – gegen die DJK Waldbüttelbrunn (auswärts 14. Oktober, zu Hause 24. Februar) und die DJK Rimpar II (auswärts 17. Februar, zu Hause 24. März).

Die Favoriten der Bayernliga

„Friedberg, Haunstetten und Waldbüttelbrunn“ antwortet Bernd Becker auf die Frage, wer denn seiner Meinung nach die Kandidaten auf Platz eins und damit den Direktaufstieg in die Drittklassigkeit sind. Allerdings geht er davon aus, dass das Titelrennen spannender als in den vergangenen Jahren sein wird, als nacheinander der SV Auerbach, der HSC Coburg II und der HC Erlangen II die Klasse dominierten. Die Neulinge der Bayernliga Neu in der Klasse sind die Landesliga-Meister Rothenburg und Ismaning sowie der TSV Ottobeuren, der sich in der Relegation durchgesetzt hat. „Die Mannschaften sind stärker als die Absteiger in der letzten Saison“, so Becker. Da waren die Teams aus Sulzbach-Rosenberg und Niederraunau schnell abgeschlagen gewesen. Alle drei Aufsteiger gelten als heimstark. In Ottobeuren spielen Handballer aus Ungarn und Kroatien, Rothenburg und Ismaning verfügen über robuste Mannschaften, in deren Reihen Spieler stehen, die auch schon Bayernliga-Erfahrung vorweisen können.

Das Lohrer Aufgebot

Zugang: Sven Hartig (TV Gelnhausen).

Abgang: Fabian Zehnter (Borussia Höchsten).

Tor: Tamas Szabo, Sven Hartig, Tom Scheiner.

Außen: Ferdinand Schmitt, Andreas Avar, Benjamin Horn.

Rückraum: Bohuslav Zeleny, Jonas Scheiner, Markus Seltsam, Janis Gremzde, Jannik Schmitt, Jonathan Born, Lorenz Schmitt, Lukas Horky.

Kreis: Zoltan Ferencsik, Milan Kralik, Marius Rahtz.

Trainer: Bernd Becker (seit 2015).

U. Sommerkorn

Quelle: http://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Handballspieler-Kreuzbandoperationen-Lohrer-wollen-sich-etablieren;art798,9747279

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