Niederlage gibt zu denken

22.01.17

Jannik Schmitt

Jannik Schmitt

Foto: Yvonne Vogeltanz

TSV Lohr – TG Landshut 21:29 (11:19)

Andere Handball-Bayernligisten fahren in der Regel mit einer gehörigen Portion Respekt nach Lohr. Die dort stets zahlreich erscheinenden Zuschauer sorgen da für eine Menge Spektakel, welches die Heimsieben antreibt und dem Gast das Leben schwer macht. Doch diesmal war es in der Spessarttorhalle während der zweiten Hälfte ruhig wie selten gewesen. Die 500 Zuschauer sahen einen TSV Lohr, der chancenlos war gegen eine abgezockte TG Landshut, und so bewegte sich der Lärmpegel auf ziemlich niedrigen Niveau. Und als die Lohrer Spieler kaum zwei Minuten nach Abpfiff dem Publikum Applaus spendeten, da waren die Tribünen schon beinahe leer.

„Wenn du 19 Gegentore in einer Halbzeit kriegst, dann ist das zu viel.“

Janis Gremzde, Lohrer Rückraumspieler

Es war ein Hinrundenabschluss, der viele Beteiligte auf Lohrer Seite nachdenklich machte. Die magere Bilanz von nur sieben Punkten aus 13 Spielen führt vor Augen, dass der Klassenerhalt kein Selbstläufer werden wird, auch wenn die gegenwärtige Platzierung dazu noch reichen würde, zumal es nach gegenwärtigem Tabellenstand in der Dritten Liga nur zwei Absteiger aus der Bayernliga gibt.

Auch Lohrs Trainer Bernd Becker hatte der Auftritt seiner Mannschaft gegen Landshut zu denken gegeben. „Es war heftig, was da abgelaufen ist“, gab er zu. Eine gute Viertelstunde lang hatte sein Team die Partie offen gehalten und zeitweise sogar geführt. Dann aber bot der Gastgeber ein Sammelsurium handballerischer Fehlleistungen – angefangen von einer Abwehr, die dem gegnerischen Treiben meist teilnahmslos zusah, bis hin zu Fehlwürfen, Ballverlusten oder Offensivfouls. „Unsere Wurfauswahl war desaströs“, erklärte der Trainer.

In Zahlen schlug sich das so nieder: Nach 17 Minuten hatte der TSV noch 9:8 geführt, 20 Spielminuten später stand's 12:22. Das war nicht mehr zu reparieren, auch wenn der Gast in der Endphase den Fuß etwas vom Gas nahm. In Verlegenheit geriet Landshut nicht. „Ich habe erfahrene Spieler, die nicht den Kopf verlieren, wenn sie mal drei Tore in Folge kriegen“, machte Landshuts Trainer Milan Sedivec klar. Fürwahr – die Niederbayern kamen mit nahezu jeder Deckungsumstellung, die die Lohrer vornahmen, zurecht, und spulten über weite Strecken ihr Pensum mit einer beinahe kühlen Sachlichkeit herunter.

Die Gastgeber mussten indes die herbe Niederlage verdauen. „Es war vor allem die Abwehr. Wenn du 19 Gegentore in einer Halbzeit kriegst, dann ist das zu viel“, sagte Janis Gremzde. Doch eine Erklärung, warum sein Team nach der guten Anfangsphase so eingebrochen war, vermochte auch der lettische Rückraumspieler nicht zu geben, der sein erstes Heimspiel nach fast zehnmonatiger Verletzungspause absolviert hatte. Gremzde war in der Anfangsphase vorangegangen, hatte mit energischen Durchbrüchen die ersten drei Lohrer Treffer erzielt. Doch im Laufe der Partie schwanden ihm nach der langen Pause die Kräfte, andere Rückraumspieler sprangen nur selten für ihn die Bresche.

Schlüsselspiel am Samstag

Für die Lohrer wird es nach Abschluss der Vorrunde nun zusehends ungemütlich und das Heimspiel am kommenden Samstag, 28. Januar, gegen den direkten Konkurrenten VfL Günzburg zum Schlüsselspiel. „Da müssen wir gewinnen. Unbedingt“, machte Becker klar. Doch dem Coach ist klar, dass seine Mannschaft nun mit gewaltigem Druck klar kommen muss: „Es wird eine spannende Woche“, erklärte der Trainer, der sich nun von seinen Spielern eine Reaktion erhofft. Womöglich müssen die Lohrer die wichtige Partie gegen Günzburg ohne Zoltan Ferencsik bestreiten. Der ungarische Kreisläufer verletzte sich nach wenigen Minuten gegen Landshut am Mittelfinger der Wurfhand, möglicherweise ist der Finger gebrochen. Umso mehr wird es auf eine Tugend ankommen, die bei den Lohrern gegen Landshut nicht zu sehen war. Nämlich die, sich nach Rückschlägen wieder aufzurappeln.

U. Sommerkorn

Lohr: Szabo (1. – 12.), T. Scheiner (12. – 60.) – Zeleny (3), J. Scheiner, F. Schmitt (5/1), Ferencsik, Avar (3), Kralik, Gremzde (3), J. Schmitt (3), Born (1), Rahtz (1), L. Schmitt (1), Zehnter (1).

Landshut: Elgeti, Sigl (bei 2 Siebenmetern) – Christ, Müller (9/1), Abeltshauser (2), Gretsch (4), Auernhammer (3), Axthaler (2), Kabashi (4), Obermayr (2), Pich (3).

Schiedsrichter: Sand/Schaarschmidt (Lauingen/Gundelfingen)

Zeitstrafen: 4:2

Siebenmeter: 2/1 – 4/1

Zuschauer: 500

Spielfilm: 2:2 (7.), 5:6 (11.), 8:6 (14.), 9:8 (17.), 9:13 (24.), 11:19 (30.), 12:22 (37.), 15:22 (45.), 16:25 (48.), 19:28 (54.).

Quelle: Main-Post