Spitzenreiter eine Nummer zu groß

12.02.17

Janis Gremzde

Janis Gremzde

Foto: Röder

TSV Lohr – HC Erlangen II 25:35 (6:18)

Es sah am Ende noch einigermaßen erträglich aus, das Ergebnis, mit dem die Lohrer dem souveränen Spitzenreiter HC Erlangen II unterlegen waren. „Wenn man das positiv sehen will, kann man hervorheben, dass wir die zweite Hälfte gewonnen haben“, sagte Lohrs Trainer Bernd Becker, schickte aber hinterher: „Ich weiß aber auch, warum das passiert ist.“ Nämlich, weil der Gast in den zweiten 30 Minuten der Begegnung den Fuß vom Gas genommen und einigen seiner Besten Schonzeiten auf der Bank gegönnt hatte. „Erlangen hat uns mitspielen lassen“, gab Becker zu.

Angeschlagene pausieren

An einen Punktgewinn hatte der Coach offenbar von Beginn an nicht geglaubt. Ließ er doch mit Tom Scheiner, Jannik Schmitt und Andreas Avar drei angeschlagene Spieler draußen, um diese für das Kellerduell eine Woche später beim TSV Niederraunau zu schonen, obwohl das Trio, wenn es unbedingt hätte sein müssen, wohl hätte spielen können. Dafür rückten Akteure mit Moritz Kißner, Markus Seltsam, Jakob Röder oder Sandro La Ferla Handballer aus der zweiten Mannschaft ins Aufgebot. „Das war gewissermaßen auch ein Dankeschön an Spieler, die engagiert im Training sind“, begründete der TSV-Coach diese Nominierungen.

In der ersten Hälfte hatte sein Team zu spüren bekommen, wie es ist, wenn die Erlanger Bundesliga-Reserve ernst macht, selbst wenn die Gäste in der Spessarttorhalle aus ihrem Kader in Keeper Michael Haßferter nur einen von drei Akteuren dabei hatten, die in dieser Saison schon Erstliga-Einsatzzeiten gekriegt hatten. Schnelle Konter über Rechtsaußen Maximilian Lux, wuchtige Würfe von Rückraumakteur Mathis Ohlig und Kreisanspiele auf Florian Wagner – fast alle Erlanger Offensivaktionen verhießen Erfolg. Und hätte nicht Tamas Szabo im Lohrer Tor einige freie Bälle pariert, hätte das Ganze für die Gastgeber noch schlechter ausgesehen. Doch allzu oft tauchten Erlanger Werfer völlig frei vor dem ungarischen Keeper auf. Der brüllte nach rund 20 Minuten, als es wieder einmal in seinem Tor eingeschlagen hatte, laut: „Kurva!“ Das kann man mit „Hündin“ übersetzen, hat aber noch andere Bedeutungen, von deren Aufzählung wir an dieser Stelle absehen. Nach der Partie analysierte Szabo das Geschehen nüchterner: „Wir haben gegen einen starken Gegner gespielt. Aber dem darf man es nicht so einfach machen und ihn ständig über die Mitte abschließen lassen. Aber ich glaube, wir haben das Maximum von dem herausgeholt, was möglich ist.“

Konzentration auf Niederraunau

Immerhin gelang den Gastgebern nach einem 6:18-Rückstand zur Pause in der zweiten Hälfte die ein oder andere vorzeigbare Angriffsaktion – besonders über die Topwerfer Bohuslav Zeleny und Ferdinand Schmitt. Am Ende stand ein Erlanger 35:25-Erfolg, wobei der Spitzenreiter bei seinen fünf vorangegangen Siegen stets höher gewonnen hatte. Der Lohrer Trainer tat sich nach der Partie allerdings schwer mit der Einordnung des ganzen Geschehens: „Wir müssen das einfach abhaken, uns auf die nächste Spiel in Niederraunau konzentrieren und da einen Sieg holen. Der wäre unglaublich wichtig.“

U. Sommerkorn

Lohr: Szabo (1. – 56.), Kißner (56. – 60.) – Zeleny (8), J. Scheiner (2), Seltsam, F. Schmitt (7/2), La Ferla (n. e.), Röder, Kralik, Gremzde (3), Born (1), Rahtz (2), L. Schmitt, Zehnter (2).

Erlangen: Haßferter (1. – 19., 40. – 60.), Rein (19. – 40.) – Hofmanns (3), Wunder, Ohlig (8), Wannenmacher (1), Wagner (4), Pelka (1), Schletterer (3), Hayn (2), Lux (9/2), Halota (1).

Schiedsrichter: Duscher/Wilhelm (Neunburg v. Wald)

Zeitstrafen: 6:2

Rot: Gremzde (45., Lohr, 3. Zeitstrafe)

Siebenmeter: 2/2 – 2/2

Zuschauer: 400.

Spielfilm: 1:1 (3.), 1:5 (10.), 4:8 (19.), 6:12 (23.), 6:18 (30.), 12:21 (40.), 15:24 (45.), 20:31 (49.), 21:35 (54.).

Quelle: Main-Post