Torwart als heiserer Derbyheld

09.04.17

Bernd Becker

Bernd Becker

Foto: Heiko Becker

DJK Waldbüttelbrunn – TSV Lohr 17:19 (5:8)

Selten war eine Fehlerstatistik einem Trainer so piep egal wie Bernd Becker nach dem Abpfiff des Derbys in Waldbüttelbrunn: „Das interessiert mich heute überhaupt nicht“, verkündete der Coach des TSV Lohr. Schließlich hatte seine Mannschaft erstmals seit November 2012 wieder das unterfränkische Duell gegen die DJK Waldbüttelbrunn in einem Bayernligaspiel gewonnen und nebenbei den Klassenerhalt beinahe schon gesichert. Da konnte es Becker locker verkraften, dass DJK-Kapitän Manuel Feitz von einem „ganz, ganz schlechten Bayernligaspiel“ sprach. Schließlich hatten die Gäste mit 19:17 gewonnen.

Vielmehr hob der Lohrer Coach die kämpferische Einstellung seines Teams und „phänomenale Leistung“ seines Keepers Tamas Szabo hervor. Der 34-jährige Ungar trieb die Waldbüttelbrunner an diesem Samstagabend wahrlich zur Weißglut und sorgte dafür, dass DJK-Coach Dusan Suchy hernach sage und schreibe 28 Fehlwürfe seiner Spieler registriert hatte. Bereits in den ersten Minuten der Begegnung kaufte Szabo den Waldbüttelbrunnern den Schneid ab, parierte mehrmals gegen völlig frei stehende Werfer der Einheimischen. „Mich ärgert vor allem die erste Viertelstunde, weil wir uns da klare Chancen erspielt haben. Danach haben wir unsere Gesamtleistung unserer Wurfleistung angepasst“, so Manuel Feitz.

Von den Außen trafen die Gastgeber gegen Szabo kein einziges Mal, in der zweiten Hälfte verweigerten sie Würfe von den Flügeln fast vollends. Und mit solch einem starken Rückhalt tat sich auch die TSV-Deckung leichter, dem Treiben der DJK Einhalt zu gebieten, auch wenn bei den Gästen Abwehrchef Milan Kralik nach einem Arbeitsunfall fehlte. „Ich bin fix und fertig. Ich kann nicht mehr sprechen“, erklärte der vom lautstarken Dirigieren seiner Hintermannschaft nach dem Abpfiff hörbar heisere Szabo.

Probleme mit DJK-Kreisläufer

Allerdings taten sich auch die Lohrer im Angriff schwer, immer wieder zeigten bei ihnen nach langen und oft vergeblichen Bemühungen die Referees passives Spiel an. In der zweiten Hälfte schien es so, als würden die favorisierten Gastgeber nach einem zwischenzeitlichen Drei-Tore-Rückstand doch noch die Wende schaffen. Hatten doch die Lohrer Mühe, Anspiele auf den wuchtigen DJK-Kreisläufer Tobias Glöggler zu unterbinden. Und als Waldbüttelbrunn fünf Minuten vor Schluss mit 16:14 in Führung gegangen war, sprach vieles für die Hausherren.

„Dass wir dann noch einmal zurückgekommen sind, war eine Riesen-Willensleistung“, machte TSV-Coach Becker klar. Die Gäste wehrten sich. Und als Bohuslav Zeleny 165 Sekunden vor Schluss die Gäste beim 17:16 wieder in Führung brachte, verlieh das den Lohrern Aufwind für die Schlussphase, in der Kapitän Marius Rahtz mit dem Treffer zum 17:19-Endstand 20 Sekunden vor Schluss alles klarmachte.

So konnten die Lohrer am Ende feiern. Nicht nur den ersten Derbyerfolg gegen Waldbüttelbrunn seit beinahe viereinhalb Jahren. Sondern auch, dass sie nun dem Klassenerhalt sehr nahe gekommen sind und so einen Derbysieg in der neuen Bayernliga-Saison durchaus wiederholen könnten.

U. Sommerkorn

Waldbüttelbrunn: Varga, Feuerbacher (n. e.) – Dutz (n. e.), Stumpf (3), Villanueva Perez, Rother (1), Feitz (5/4), Tendera (2), Glöggler (4), Feuchtmann Perez, Issing (n. e.), Lutz, Demel (1), Kirchner (1).

Lohr: Szabo, T. Scheiner (2 Siebenmeter) – Zeleny (4), J. Scheiner, Seltsam (n. e.), F. Schmitt (4/3), Ferencsik (2), Avar (2), Gremzde, J. Schmitt (2), Born (3), Rahtz (1), Zehnter (1), L. Schmitt (n. e.).

Schiedsrichter: Langner/Liebsch (Hammelburg)

Zeitstrafen: 8:5

Rot: Gremzde (55., Lohr, 3. Zeitstrafe)

Siebenmeter: 5/4 – 4/3

Zuschauer: 400

Spielfilm: 0:2 (6.), 2:2 (11.), 3:6 (19.), 5:7 (28.), 7:10 (37.), 10:10 (42.), 10:12 (47.), 12:12 (48.), 14:13 (52.), 16:14 (56.), 16:18 (60.)

Quelle: Main-Post

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