Auf dem Zahnfleisch zum 22:22

15.10.17

Janis Gremzde

Janis Gremzde

Foto: Yvonne Vogeltanz

DJK Waldbüttelbrunn – TSV Lohr 22:22 (9:11)

Es waren noch siebeneinhalb Minuten zu spielen in der Waldbüttelbrunner Ballsporthalle, da schaute Janis Gremzde während einer Spielunterbrechung mit gequältem Blick auf die Anzeigentafel. Auf der war der Stand von 18:20 zu lesen. Und eben die gespielte Zeit von 52 Minuten und knapp 30 Sekunden. Janis Gremzdes Blick war nachvollziehbar: Der lettische Rückraumspieler des TSV Lohr sehnte die Schlusssirene herbei. Nicht nur, weil sein Team führte, sondern auch aus einem anderen Grund: „Ich war einfach platt“, gab der 31-Jährige zu. Wie Gremzde ging es vielen seiner auf dem Feld befindlichen Mitspieler. Und deshalb waren die Lohrer am Ende auch froh, dass die Partie mit einem 22:22-Unentschieden endete, obwohl sie in der zweiten Hälfte schon klar geführt hatten.

Überragender Tamas Szabo

„Ein bisschen muss ich das auf meine Kappe nehmen“, erklärte Lohrs Trainer Bernd Becker. „Schließlich habe ich kaum gewechselt.“ Lange Zeit schien es so, als sollte er mit dieser Strategie, den Rückraum mit Gremzde, Bohuslav Zeleny und Lukas Horky beinahe durchspielen zu lassen, zum Erfolg kommen. Die Gäste spielten ihre Angriffe geduldig aus und schlossen die Aktionen am Ende oft erfolgreich ab. Hinten standen sie stark in ihrer 6:0-Deckung. Und sie hatten einen Tamas Szabo im Tor, der immer wieder freie Bälle parierte und den Vergleich mit seinen Waldbüttelbrunner Kollegen klar für sich entschied. „Warum wir uns gegen den immer so schwer tun, weiß ich auch nicht“, sagte DJK-Rückraumspieler Lukas Tendera über ungarischen Keeper, der bereits sechs Monate zuvor beim Lohrer 19:17-Derbyerfolg eine herausragende Leistung gezeigt hatte, 16:11 führte der TSV nach 41 Minuten und 20:16 nach 49 Minuten. Den Gastgebern schien vor 450 Zuschauern nicht mehr viel einzufallen gegen Szabo und die 6:0-Deckung.

Kaum Wechseloptionen

Doch dann ging den Lohrern irgendwann der Saft aus. „Ich wollte raus, zumindest mal für ein oder zwei Angriffe. Es ging nicht mehr“, berichtete Janis Gremzde. Doch sein Coach hatte auf den Rückraumpositionen kaum Wechseloptionen, nachdem sich Markus Seltsam im Donnerstagstraining den Mittelhandknochen gebrochen hatte und Jannik Schmitt nach einer vorangegangenen Erkrankung noch nicht völlig fit war. So quälten sich die Gäste durch die letzten Minuten, in denen Waldbüttelbrunn immer näher kam. Knapp zwei Minuten vor Schluss glich DJK-Rückraumspieler Lukas Tendera zum 22:22 aus, und kurz darauf eroberte seine Team erneut den Ball.

Doch beim letzten Angriff erspielten sich die Gastgeber keine Wurfchance mehr. Worauf DJK-Trainer Dusan Suchy, den die 19 Fehlwürfe seiner Mannschaft gewaltig wurmten, nach dem Spiel süffisant anmerkte: „Wenn wir den letzte Angriff eher abgeschlossen hätten, hätten wir das Spiel sicher noch verloren.“

Lohrs Trainer Bernd Becker indes machte klar: „Mit dem Ergebnis können wir gut leben.“ Und Janis Gremzde merkte an: „Das 22:22 fühlt sich fast wie ein Sieg an.“ Ein gefühlter Sieg, zu dem die Lohrer in den letzten Minuten förmlich auf dem Zahnfleisch marschiert waren.

U. Sommerkorn

Waldbüttelbrunn: Feuerbacher, (31. – 60.), Sincich (1. – 30.) – Dutz (n. e.), Stumpf (1), Rother (n. e.), Feitz (4/1), Tendera (3), Glöggler (2), Issing (n. e.), Kwiatkowski (5/2), Demel, Meyer (2), Grünert (5).

Lohr: Szabo, S. Hartig (n. e.) – Zeleny (9/3), J. Scheiner (n. e.), F. Schmitt (3), Ferencsik (1), Avar (3), Kralik, Gremzde (2), J. Schmitt, Rahtz, Horn (n. e.), Horky (4).

Schiedsrichter: Schweizer/Vornehm (Friedberg/Haunstetten).

Zeitstrafen: 3:2.

Rot: Kirchner (30., Waldbüttelbrunn, Wurf ins Gesicht des Gegners).

Siebenmeter: 4/3 – 3/3.

Zuschauer: 450.

Spielfilm: 1:2 (8.), 4:6 (16.), 7:7 (21.), 7:10 (28.), 9:11 (29.), 11:16 (41.), 13:16 (42.), 16:20 (49.), 19:20 (55.), 20:22 (57.).

Quelle: https://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Friedberg-Zufriedenheit-Lohr-geht-auf-dem-Zahnfleisch-zum-22-22;art798,9770105#paywallanchor

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