Die große Ratlosigkeit

21.10.18

TSV Lohr – SG Regensburg 23:30 (11:16)

Als alles vorbei war, hatten sich die Lohrer Handballer für einen Moment zusammengefunden, um sich mit einem kurzen Applaus beim Publikum zu bedanken. Doch kaum zwei Minuten nach dem Abpfiff war die Tribüne der Spessarttorhalle schon weitgehend leer. Den noch sitzenden Zuschauer war eine große Ratlosigkeit anzusehen, den Spielern enorme Enttäuschung.

Fehlende Mittel

Noch eine Viertelstunde nach dem Abpfiff saß Rückraumspieler Jannik Schmitt mit dem übers Gesicht gezogenen Trikot mit dem Rücken gegen die Hallenwand gelehnt, während sein verletzter Teamkollege Lorenz Schmitt Trost zu spenden suchte. Keine Frage: Die sechste Niederlage im sechsten Saisonspiel hatte bei den Lohrern Wirkung gezeigt. Zuvor hatten sie sich noch an die Hoffnung geklammert, dass das Team nach dem schwierigen Saisonauftaktprogramm gegen vermeintlich leichtere Gegner schon irgendwie in die Spur finden würde. Doch auch gegen den Aufsteiger aus Regensburg fehlten den Lohrern letztlich die Mittel.

Ringergriff: Der Regensburger Marcel Elgeti (links) schreitet regelwidrig gegen den Lohrer Kreisläufer Kevin Gehl ein. Foto: Yvonne Vogeltanz

„So reicht's einfach nicht“, stellte TSV-Trainer Bernd Becker nachdenklich fest. Zu viel hatte bei seinem Team gegen den durchaus mutig und flott aufspielenden Aufsteiger aus der oberpfälzischen Bezirkshauptstadt nicht funktioniert. So waren die Außenspieler der Gastgeber in der ersten Hälfte viermal mit Gegenstößen am starken SG-Keeper Max Lotter gescheitert, die TSV-Abwehr bekam die Gäste-Angreifer nie unter Kontrolle, keiner der drei Lohrer Torhüter fand so richtig ins Spiel, sogar den Umstand, dass zu Beginn der zweiten Hälfte vier Regensburger auf einmal auf der Strafbank saßen, wussten die Einheimischen nicht zu nutzen. Selbst als das TSV-Team in der zweiten Hälfte den Rückstand mehrmals auf eine Differenz von drei Toren verkürzte, stellte sich sich nicht unbedingt das Gefühl ein, als solle die Wende im Spiel noch gelingen.

„Es ist sicher nicht so, dass keiner gewollte hätte“, machte Becker klar, dass die Niederlage kein Resultat fehlender Einstellung war. Er selbst probierte auch einiges, doch mehrere Umstellungen der Deckungsformation sowie der zweimalige Tausch der Torhüter vermochten keine entscheidenden Impulse zu setzen. „Natürlich ist es auch eine Frage der Qualität. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir können sie nicht abrufen oder wir haben sie einfach nicht“, gab der Coach zu bedenken, der einräumte, auch sich selbst hinterfragen: „Wir haben alle sechs Spiele verloren. Und natürlich bin ich der, der sportlich verantwortlich ist.“

Wird personell nachgelegt?

Auch Abteilungsleiter Matthias Hartmann ist sich des Ernstes der Lage bewusst: „Wir können das nicht so laufen lassen. Wir machen uns Gedanken über die Spieleraufstellung und müssen sehen, ob wir da etwas tun können.“ Sprich: Hartmann und Sven Lehmann, der Sportliche Leiter, suchen nach personellen Ergänzungen des Kaders, in dem nach den Verletzungen der Rückraumspieler Lorenz Schmitt und Jannis Gremzde die Alternativen zu fehlen scheinen. „Natürlich werden wir keine Schnellschüsse machen, aber spätestens bis zur Winterpause wollen wir etwas tun“, erklärt Hartmann, dass sich der Verein um Verstärkungen bemühen werde.

Auch der Trainer scheint hier Handlungsbedarf zu sehen: „Natürlich halte ich die Linie, vorwiegend auf eigene Spieler zu setzen, im Prinzip weiter für richtig. Aber vielleicht haben wir die Spielstärke zuvor etwas optimistisch eingeschätzt.“ Doch nach Hartmanns Worten wird es wohl noch etwas dauern, bis der Kader wirklich Verstärkung erhält. Am kommenden Samstag beim direkten Konkurrenten in Haunstetten wird s wohl das vorhandene Personal richten müssen.

U. Sommerkorn

Statistik

Lohr: Szabo (1. – 14.), S. Hartig (14. – 41.), T. Scheiner (41. – 60.) – Zeleny 4/1, J. Scheiner 1, Seltsam 3, F. Schmitt 4/1, Röder 2, J. Schmitt 4, Born, Horn 1, Gehl 1, Horky 3.

Regensburg: Lotter, Neisinger (n. e.), Rada (n. e.) – Dzolic 5, Hoppe 1, Uhl 2, Ujvari 5, Munkacsi 3, Elgeti 7/6, Orlovský 2, Hiersemann, Mulitze 1, Heinle 4.

Schiedsrichter: Frosch/Frosch (Bergtheim).

Zeitstrafen: 2:8.

Siebenmeter: 5/2 – 7/6.

Zuschauer: 450.

Spielfilm: 0:3 (6.), 5:6 (13.), 8:9 (19.), 8:12 (26.), 11:16 (30.), 16:19 (37.), 17:22 (41.), 22:25 (53.), 22:27 (54.).

Quelle: https://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Niederlagen-und-Schlappen-Friedberg-Optimismus-Die-grosse-Ratlosigkeit-beim-TSV-Lohr;art798,10088128#paywallanchor

Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.