Interview mit Bernd Becker

20.09.18

Es ist die insgesamt siebte Saison von Bernd Becker als Trainer der ersten Handball-Mannschaft des TSV Lohr. Seine erste Amtszeit währte von 2006 bis 2009, seit 2015 ist der 49-jährige Höchberger erneut für das Team verantwortlich. Vor der Heimspielpremiere in der Bayernliga-Saison, bei der am Samstag um 19.30 Uhr die DJK Waldbüttelbrunn in der Spessarttorhalle zu Gast ist, äußert sich Becker zu den Perspektiven seines Teams, zu möglichen Verschleißerscheinungen und zu den Titelfavoriten.

In seiner siebten Saison als Trainer der ersten Lohrer Mannschaft: Bernd Becker.

Foto: Yvonne Vogeltanz

Frage: Wenn jemand eine Mannschaft im vierten Jahr in Folge trainiert, läuft der nicht Gefahr, dass sich Dinge zu sehr einschleifen und dass den Spielern gewisse Reize, die bei einem neueren Coach da wären, fehlen?

Bernd Becker: Darüber macht man sich natürlich im Vorfeld Gedanken. Aber bislang war jede Vorbereitung anders. Heuer haben wir zum Beispiel komplett auf Einheiten auf der Laufbahn verzichtet und waren eher in der Halle und im Gelände unterwegs. Wir arbeiten da mit dem Fitnesscenter Vitalis zusammen. Und dort legen die Leute Wert drauf, dass Abwechslung reinkommt. Aber natürlich bin ich auch kein Entertainer. In unserem Sport musst du gewisse Standards ständig wiederholen. Und je höherklassiger, desto häufiger.

Es gibt also im vierten Jahr der Zusammenarbeit keine Verschleißerscheinungen zwischen Trainer und Mannschaft?

Becker: Verschleißerscheinungen gibt es keine. Für mich ist wichtig, dass ich weiter Spaß an der Arbeit mit der Mannschaft habe. Wenn ich den nicht mehr hätte, würde ich aufhören. Andererseits war es auch der Wunsch der Vereinsführung, dass ich weitermachen. Und neue Impulse kommen ja aus der Mannschaft, weil in der ein großer personeller Umbruch ansteht.

Was ist da alles neu, wenn man es mit der abgelaufenen Saison vergleicht?

Becker: Erst einmal sind erfahrene Spieler wie Milan Kralik, Marius Rahtz oder Andreas Avar nicht mehr dabei. Das gilt im Moment, wobei hier die Betonung auf „im Moment“ liegt, auch für Zoltan Ferencsik. Er ist oft auf Montage und gleichzeitig Pächter des Schwimmbadrestaurants in Frammersbach. Außerdem baut er noch ein Haus. Er hat kaum Zeit, ist aber nicht weg und kann im Bedarfsfall aushelfen. Andererseits haben wir einen Kader von 20 Mann, der in der Vorbereitung gut gearbeitet hat.

Wo kommen diese 20 Leute her? Schließlich gab es mit Kevin Gehl und Fabian Zehnter nur zwei externe Neuzugänge.

Becker: In dem Kader stehen mit Nigg Hartig, Nico Brey und Mark Hartig drei Perspektivspieler, die in der zweiten Mannschaft Spielpraxis erhalten sollen. Dazu die beiden Neuzugänge, die ja Rückkehrer sind. Außerdem sind mit Tom Scheiner und Lorenz Schmitt Wiedereinsteiger dabei, die nach langen Verletzungen zurückgekommen sind.

Also viele Leute aus dem eigenen Reservoir.

Becker: Ich habe mich kürzlich mit Gerald Schmitt (Co-Trainer, Anm. d. Red.) und Sven Lehmann (Sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) unterhalten. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir eigentlich viel mehr herausstellen müssten, was wir haben. Wenn ich auswärts die Hallenzeitungen lese, werden wir als internationale Truppe dargestellt. Natürlich haben wir auch Handballer aus dem Ausland. Aber in unserem Kader stehen 15 Lohrer.

Was ist von den Neuzugängen Kevin Gehl und Fabian Zehnter zu erwarten?

Becker: Ich bin überzeugt, dass beide das Niveau mitbringen, um vollwertige Bayernliga-Spieler zu werden. Fabian ist Linkshänder und kann im Rückraum spielen. Das ist eine Variante, die wir in den letzten Jahren nicht hatten. Kevin ist ein sehr kampfstarker Kreisläufer, der in seiner Art zu spielen sehr an seinen Vater Peter erinnert.

Wie wird sich das Lohrer Spiel durch die personellen Umbrüche verändern?

Becker: Wir haben unser Deckungsrepertoire erweitert und spielen jetzt neben der 6:0-Abwehr auch eine 5:1. Wir haben ja mit Milan Kralik und Andreas Avar Leute verloren, die im Zentrum spielen können. Dafür gibt es mit Jannik Schmitt oder Lorenz Schmitt die Möglichkeit, die vorgezogene Position in der Abwehr zu besetzen. Außerdem haben wir in der Vorbereitung daran gearbeitet, dass wir schneller ins Umschaltspiel kommen und einfache Gegenstoßtore erzielen. Das hat uns vergangene Saison oft etwas gefehlt. Allerdings fehlen uns durch die Ausfälle von Ferdinand Schmitt (die ersten beiden Spiele, Anm. d. Red.) und Benjamin Horn (ca. sechs Wochen, Anm. d. Red.) zwei wichtige Optionen für unser Konterspiel.

Im Kader gibt es zwar viele Leute. Aber auf bestimmten Positionen sind die Alternativen doch nicht so üppig.

Becker: Es gibt Punkte, an denen nichts passieren sollte. Aber das ist bei 90 Prozent aller Bayernligisten so. Ein Lukas Horky zum Beispiel ist in der Deckung enorm wichtig und kann vorne effektiv im Rückraum oder am Kreis eingesetzt werden. Sollte uns so ein Spieler ausfallen, wäre das fatal.

Wie sind die Kräfteverhältnisse in der Bayernliga?

Becker: Ich gehe davon aus, dass der HSC Bad Neustadt am Ende vor Waldbüttelbrunn und Friedberg stehen wird. Dahinter sehe ich Günzburg und Bayreuth. Zum Mittelfeld dürften Landshut und HT München zählen. Der Rest der Liga wird wohl um den Klassenerhalt spielen.

Auch der TSV Lohr?

Becker: Ja, die Situation könnte kompliziert werden. Schließlich steigt der Bayernliga-Meister in dieser Saison nicht direkt auf, sondern muss Relegation spielen und könnte scheitern. Dazu gibt es mit dem TV Erlangen-Bruck und dem HSC Coburg II zwei bayerische Drittligisten, die um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Steigen die ab und der Bayernliga-Meister nicht auf, dann wird es eng. Dann müssten fünf Bayernligisten absteigen – und der Kampf um den Klassenerhalt könnte viele Teams betreffen.

U. Sommerkorn

Quelle: https://www.mainpost.de/sport/mainspessart/Trainer-und-Trainerinnen-Fitnesscenter-Sportliche-Leiter-Friedberg-Handballspieler-Standards-und-Standardisierung-Relegation-Truppen-Lust-auch-noch-im-siebten-Jahr;art798,10063786#paywallanchor

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