Lohrer Machtdemonstration

22.09.19

Entschlossen: Die Heidingsfelder Dennis Orf (rechts) und Ivan Scaramuca (Zweiter von links) können den Lohrer Fabian Zehnter nicht stoppen. Foto: Yvonne Vogeltanz

TSV Lohr – TG Heidingsfeld 23:16 (13:5)

Irgendwie müssen sich die für die musikalische Beschallung in der Lohrer Spessarttorhalle Verantwortlichen ihrer Sache schon verdammt sicher gewesen sein. Als Gästetrainer Heiko Karrer von der TG Heidingsfeld gut zehn Minuten vor dem Ende im Handball-Bayernliga-Derby beim Stand von 22:12 für die Einheimischen eine Auszeit nahm, dröhnte "Oh, wie ist das schön" durch die Boxen. Ein Gassenhauer, der bei Heimspielen des TSV Lohr gerne mal nach dem Abpfiff zum Besten gegeben wird, wenn Spiele gewonnen wurden. Aber wer das Lied schon zehn Minuten vor Schluss spielt, der hat das sichere Gefühl, dass da auch Sicht des Heimteams nichts mehr schief gehen kann. Das Gefühl trog nicht, denn die Lohrer siegten bei ihrer Bayernliga-Heimpremiere vor 700 Zuschauern mit 23:16 (13:5). Ein Resultat, das für die über weite Strecken indisponierten Heidingsfelder fast noch gnädig war.

Eine weitere Textzeile im in der Auszeit gespielten Lied lautet: "So was hat man lange nicht gesehen." Und auch das war passend, nicht nur, weil die Gastgeber die Halle am Samstagabend sogar als Tabellenführer verließen. Nach zwei Jahren permanenten Abstiegskampfs mit viel Krampf und Nervosität legte das TSV-Team um den neuen Spielertrainer Maximilian Schmitt einen Auftritt hin, der große Selbstsicherheit signalisierte. "Wir haben einen unglaublichen Zusammenhalt. Jeder von den Jungs erfüllt seine Aufgabe", erklärte der 27-Jährige das Erfolgsrezept nach dem Spiel.

Taktgeber: Lohrs Spielertrainer Maximilian Schmitt Foto: Yvonne Vogeltanz

Gute Stimmung nach dem Abpfiff in der Spessartorhalle

Besonders das konsequente Abwehrspiel mit zwei groß gewachsenen und intelligent verteidigenden Spielern im Innenblock, nämlich Lukas Horky und Neuzugang Carlos Prieto, machte es den Gästen aus dem Würzburger Stadtteil enorm schwer. "Wir wussten, was auf uns zukommt und was wir zu tun hatten", betonte Heidingsfelds aus Lohr stammender Kreisläufer Henrik Nass. "Aber wir haben das schlecht umgesetzt. Wir hätten das Spiel viel breiter machen müssen."

So kamen die Gäste oft kaum in brauchbare Wurfpositionen. TSV-Keeper Tamas Szabo kassierte in der Anfangsviertelstunde gerade zwei Gegentreffer, musste aber kaum einmal sein Können aufbieten, weil die selbst ernannten Hätzfelder Bullen schlicht nicht durchkamen. Nach gut 15 Minuten stand es schon 8:2 für das TSV-Team. Ein Vorsprung, der fortan nicht ansatzweise in Gefahr geriet.

Und gestützt auf diese starke Abwehr spielten die Gastgeber vorne kontrolliert und strukturiert. Mit Spielertrainer Schmitt als Strippenzieher in der Zentrale und dem in 96 Länderspielen für Spanien erfahrenen Prieto als einem Kreisläufer, der den Mitspielern Räume schafft.

Davon profitierten nicht zuletzt die Lohrer Eigengewächse. Zum Beispiel ein Fabian Zehnter, der in der Vergangenheit oft eher eine Nebenrolle gespielt hatte. Doch Maximilian Schmitt und sein Co-Trainer setzten auf den groß gewachsenen Linkshänder im Rückraum, der sich mit fünf Treffern und einer starken Leistung bedankte. "Der Sieg zu Saisonbeginn in Friedberg hat uns Selbstvertrauen gegeben. So kann es weitergehen", so Zehnter nach dem Schlusspfiff. Und er und andere hatten festgestellt, dass die mit zwei Siegen in die Runde gestarteten Lohrer Spieler eine ganz andere Sicherheit als in den vorangegangenen Spielzeiten ausstrahlten. Eine Sicherheit, die man in diesem Team lange nicht gesehen hat.

U. Sommerkorn

Quelle: Main-Post

Statistik

Lohr: Szabo (1. – 50.), T. Scheiner (50. – 60.) – Seltsam, M. Schmitt 5, Röder 1, L. Schmitt, J. Scheiner, J. Schmitt 5, Prieto 1, Born, Horn 5/4, Geh, Zehnter 5, Horky 1.

Heidingsfeld: Tatzel (1. – 30.), Tschuri (31. – 50.), Varga (50. – 60.) – H. Nass 1, Maier 2, Schneider 2, Orf 4, Henning, Polydore, Farkas 5/5, Borda'cs 1, Skaramuca 1.

Schiedsrichter: Güßregen/Murrmann (Wendelstein). Zeitstrafen: 3:2. Siebenmeter: 4/4 – 6/5. Zuschauer: 700.

Spielfilm: 2:1 (4.), 8:2 (16.), 13:5 (27.), 16:6 (34.), 21:11 (48.).

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