Wie in Coronazeiten über 100 Menschen gemeinsam trainieren

02.03.21

Foto: Yvonne Vogeltanz

Foto: Yvonne Vogeltanz

Handball in der Spessarttorhalle am Samstag, 29. Februar 2020, vor den Augen von 550 Zuschauern: Carlos Prieto (links) vom TSV Lohr erhält eine Zwei-Minuten-Strafe und entledigt sich seines Zahnschutzes ...

Eine volle Spessartorhalle bei einem Spiel der Lohrer TSV-Handballer: Das wirkt wie eine Szene aus einer anderen Zeit. Wie die Abteilung mit der derzeitigen Zwangspause umgeht.

Dass die drei Tribünen bei einem Sportereignis in der Lohrer Spessarttorhalle das letzte Mal so richtig voll waren, ist nun ein Jahr her. 550 Zuschauer sahen am Samstag, 29. Februar 2020, einen 25:23-Derbysieg der TSV-Handballer im Bayernligaspiel gegen die DJK Rimpar II. Dann kam Corona – und damit ein permanenter Ausnahmezustand für Sportler und Vereine in der Region. Zunächst Sportverbot, dann Training unter strengen Infektionsschutzbestimmungen und eine kurze Wiederaufnahme das Wettkampfbetriebs – mit einem Lohrer Heimspiel mit einer auf 120 Zuschauer reduzierten Kulisse –, bevor es im November 2020 in den erneuten Lockdown ging. Das heißt: keine Spiele und kein gemeinsames Training mehr. Mittlerweile ist die Spessarttorhalle auch noch Impfzentrum für den Landkreis Main-Spessart, so dass Handballspiele dort auf absehbare Zeit nicht stattfinden können.

"Wir versuchen, den Laden irgendwie zusammenzuhalten", sagt Steffen Bergmann, der nach dem beruflich bedingten Rücktritt von Matthias Hartmann seit Ende vergangenen Jahres zusammen mit Franziska Rath die Handball-Abteilung des TSV leitet. Die ist mit rund 280 Mitgliedern eine der größten im TSV, die Heimspiele der ersten Männermannschaft zählen mit durchschnittlich 500 Zuschauern zu den am besten besuchten Sportveranstaltungen im Landkreis. Nach Bergmanns Worten sind seine Handballer in der gegenwärtigen Krise in einem Punkt glimpflich davongekommen: "Wir sind sehr zufrieden mit der Mitgliederentwicklung, wir hatten kaum Austritte." Und das, obwohl seit November kein Mannschaftstraining mehr stattfindet.

Foto: U. Sommerkorn

Foto: U. Sommerkorn

Online-Trainingseinheit: Lohrs Spielertrainer Maximilian Schmitt (oben links) versammelt vor dem Bildschirm dreimal wöchentlich über 100 Teilnehmer.

Um Sportler und Sportlerinnen bei der Stange zu halten, bittet Maximilian Schmitt, Trainer der ersten Männer-Mannschaft, dreimal wöchentlich zu Online-Übungseinheiten, die die Mitwirkenden zu Hause vor dem Bildschirm absolvieren können: "Das Training findet auf einer Online-Plattform statt. Ich erstelle die Veranstaltung und halte sie bei mir im Wohnzimmer. Man braucht dazu nur ein Handtuch und einen Handball. Es geht um Stabilisation oder Koordination, zum Beispiel bei der Nachahmung von Würfen", berichtet Schmitt, der auch stellvertretender Vorsitzender des unterfränkischen Handball-Verbands mit der Zuständigkeit für die Talentförderung ist. Für die Jugendlichen seines Vereins, die auch bei den Online-Einheiten mit dabei sind, sei es eine Motivation, gemeinsam mit den Spielern der ersten Mannschaft zu trainieren, denen sie sonst in der Halle zusehen.

Auch Übungsteilnehmer aus anderen Vereinen

Anfangs waren nur Sportler des TSV Lohr dabei, später hat Schmitt in seiner Funktion als Talentförderer des Verbands auch Jugendliche aus anderen unterfränkischen Klubs zum Online-Training eingeladen.

"Mittlerweile sind 70 bis 100 Geräte angeschlossen. Da bei manchen auch mehrere Leute mitmachen, gehe ich von 100 bis 120 Teilnehmern aus. Ich kenne keine Online-Trainingsgruppe, die größer ist", erklärt Schmitt.

Und der 29-jährige Grundschullehrer erläutert auch, dass neben dem Fitnessaspekt noch ein weiterer Gedanke hinter seinem Engagement steckt: "Wir erheben ja auch Mitgliedsbeiträge. Und da wollen wir uns nicht zurücklehnen und darauf warten, dass Corona irgendwann vorbei ist, sondern wir wollen ein Angebot machen. Es geht ja darum, das Gemeinschaftsgefühl aufrechtzuerhalten. Schließlich sollen die Jugendlichen wieder zurückkommen und möglichst nicht zum Fußball gehen, wenn der nach dem Ende der Einschränkungen wieder eher beginnen kann als der Hallensport."

Foto: Yvonne Vogeltanz

Foto: Yvonne Vogeltanz

Steffen Bergmann (rechts) leitet derzeit kommissarisch zusammen mit Franziska Rath die Lohrer Handball-Abteilung.

Auch Steffen Bergmann macht klar, dass die Online-Einheiten wichtig seien, gleichwohl könne diese Art der sportlichen Betätigung des gemeinsame Training nicht auf Dauer ersetzen: "Die Gemeinschaft fehlt natürlich." Deshalb hofft er darauf, dass die drei Männer- und sieben Jugend-Mannschaften sowie das eine Frauen-Team in seiner Abteilung irgendwann auch wieder persönlich zusammenkommen können. "Wichtig wäre, dass Politik und der Verband irgendwann eine Öffnungsperspektive aufzeigt. Auch wenn wir vielleicht erst einmal in Kleingruppen beginnen. Gerade für Kinder und Jugendliche wäre das enorm wichtig", meint Bergmann.

Mit Handballspielen vor Publikum rechnet er nicht vor Herbst 2021, zumal der Bayerische Handball-Verband (BHV) die im Herbst 2020 begonnene Saison kürzlich abgebrochen hat. Sollte es im September oder Oktober wirklich wieder losgehen, dann wohl nicht in der Spessarttorhalle, die dann wahrscheinlich noch als Impfzentrum dienen müsste. "Wir könnten in die Nägelseehalle ausweichen", meint Steffen Bergmann. Die habe zwar mit 300 bis 400 Zuschauern ein geringeres Fassungsvermögen als die Spessarttorhalle (knapp 600 mit der Möglichkeit zur Erhöhung durch Sondergenehmigung), aber das ist natürlich besser als nichts. Auf eine Rückkehr in die eigentliche Spielstätte hofft der kommissarische Abteilungsleiter zu Beginn des Jahres 2022. Dorthin, wo am 29. Februar 2020 die Tribüne vor Corona das letzte Mal so richtig voll war.

U. Sommerkorn

Quelle: Main-Post

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