Lohr unterliegt einem HSC mit sieben eingesetzten Feldspielern 

Im unterfränkischen Derby erzielt Daniel Kyvala wenige Sekunden vor Schluss den 26:25-Siegtreffer der Gäste.

Bei den Unterlegenen herrscht Niedergeschlagenheit.

Und am Ende war es dann wie immer, wenn der TSV Lohr und der HSC Bad Neustadt in der dritten oder vierten Handball-Liga aufeinandertreffen. Nach dem Abpfiff jubelten die HSC-Spieler, während die Lohrer weiter auf den ersten Punktgewinn ihrer Vereinsgeschichte gegen den seit 1977 als Verein existierenden unterfränkischen Rivalen warten. Ein solcher Punktgewinn wäre für die Lohrer beim Saisonauftaktspiel in der Handball-Bayernliga durchaus möglich gewesen, doch 15 Sekunden vor Schluss erzielte Neuzugang Daniel Kyvala den 26:25 (13:15)-Siegtreffer für die Gäste aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld.

Foto: Yvonne Vogeltanz | Der ehemalige Bad Neustädter im Lohrer Trikot, Franziskus Gerr, hat sich durchgesetzt. Weiter von rechts: HSC-Kreisläufer Filip Susnjara sowie Lohrs Spielertrainer Maximilian Schmitt.

Die letzte Minute war irgendwie ein Spiegelbild der gesamten Partie. 60 Sekunden vor Schluss hatten die Gastgeber beim Stand von 25:25 den Ball und damit die Chance zur Führung. Sie entschieden sich für einen lang ausgespielten Angriff, agierten aber zu drucklos und kompliziert und verloren schließlich den Ball, als die Schiedsrichter als Vorwarnzeichen für passives Spiel die Hand hoben. Die Gäste dachten gar nicht daran, die Uhr herunterzuspielen, sondern brachten das Spielgerät schnell nach vorne und schließlich zum freistehenden Kyvala, der TSV-Keeper Tamas Szabo überwand. Und kurz darauf tanzten die Bad Neustädter jubelnd durch die Spessarttorhalle.

"Es ist einfach nur bitter", erklärte Lohrs Spielertrainer Maximilian Schmitt, der von 2010 bis 2019 selbst das HSC-Trikot getragen hatte. "Keiner bei uns hatte in der zweiten Hälfte wirklich Topform." Vor der Pause hatte auf Lohrer Seite vor allem der vor der Saison von Bad Neustadt nach Lohr gewechselte Max Drude noch höchst torgefährlich agiert, aber im zweiten Abschnitt tauchte der Rückraumspieler wie viele seiner Teamkollegen ab.

Beim Wechsel hatte das Heimteam noch mit 15:13 geführt, erzielte dann aber acht Minuten lang kein Tor mehr. So lag plötzlich der HSC mit 18:15 vorn, dann sogar mit 20:16. "Wir machen in dieser Phase einen technischen Fehler nach dem anderen", stellte Lohrs Co-Trainer Klaus Wabnitz fest. "Das waren rückblickend die entscheidenden Minuten."

Als dann Lohr mit einer Doppel-Manndeckung gegen die HSC-Protagonisten Vilim Leskovec und Daniel Kybala agierte, kam das Heimteam wieder heran. Doch Bad Neustadts Trainer Frank Ihl reagierte darauf, indem er im Angriff seinen Torwart Felix Schmidl vom Feld nahm und einen siebten Feldspieler brachte, was die Folge hatte, dass die Gäste auch trotz der Doppel-Manndeckung wieder zu Toren kam.

Foto: Yvonne Vogeltanz | In der ersten Hälfte Lohrs Bester, nach dem Wechsel eher unauffällig: Maximilian Drude (am Ball), hier gestört beim Bad Neustädter Diogo Alves (links).

Der Trainer des nächsten HSC-Gegners schaut zu

"Der HSC hat eine bärenstarke erste Sieben", stellte Bernd Becker fest, der bis 2018 Trainer in Lohr gewesen war und das Spiel beobachtete, weil er am Samstag, 24. September, mit seinem derzeitigen Verein, dem TSV Rothenburg, bei der Bayernliga-Heimpremiere des HSC in Bad Neustadt zu Gast ist. Wie stark die Bank des Drittliga-Absteigers offenbarte sich ihm aber nicht, da der einzige HSC-Feldspieler, der während gesamten 60 Minuten eingetauscht wurde, der 17-jährige Ukrainer Arsenij Kandaliuk war. So saßen mit Noah Hahn und Ben Schicks zwei Nachwuchsspieler auf der Bank, die aber keine Einsatzzeiten erhielten. Der HSC regelte die Sache in Lohr mit nur sieben eingesetzten Feldspielern.

"Sie kriegen ihre Chance", so Frank Ihl über seine Bankspieler. "Aber wenn ich sie fünf Minuten vor Schluss auswärts in dieser Spielsituation bringe, dann geht so etwas fast immer schief", erläuterte der HSC-Coach seine Wechsel-Strategie, die eher an das Vorgehen von Übungsleitern aus dem vergangenen Jahrtausend erinnerte. Seine Spieler auf dem Parkett befindlichen Spieler mussten durchhalten, obwohl HSC-Kreisläufer Filip Susnjara in der zweiten Hälfte bisweilen pumpte wie ein Maikäfer. Doch Ihls Retro-Strategie hatte Erfolg. Nicht die Lohrer, die am Kreis und auf den Rückraumpositionen fleißig durchgewechselt hatten, erzielten den entscheidenden Treffer, sondern Daniel Kyvala vom HSC Bad Neustadt.

U. Sommerkorn

Quelle: Main-Post

Statistik zum Spiel TSV Lohr – HSC Bad Neustadt 25:26 (15:13)

Lohr: T. Scheiner (1. – 25.), Szabo (25. – 60.) – Seltsam 1, M. Schmitt 2, Röder 1, Werthmann, J. Schmitt 6, Gerr 1, de Almeida Gomes 1, Drude 7, Zehnter 2, Horky 4.

Bad Neustadt: Schmidl (1. – 20., 31. – 60.), Simic (20. – 30.) – Kleinhenz 1, Schicks, Wöhler 8/3, Kyvala 6, S. Kirchner, Leskovec 4, Hahn, Alves 4, Kandaliuk 2, Rovcanin 1.

Schiedsrichter: Balzer/Schreiner (Gefrees).

Zeitstrafen: 1:3.

Siebenmeter: 0 – 3/3.

Zuschauende: 500.

Spielfilm: 2:0 (3.), 3:3 (11.), 6:4 (14.), 8:6 (18.), 10:10 (23.), 11:12 (24.), 15:13 (30.), 15:18 (39.), 16:20 (43.), 22:21 (48.), 24:23 (53.), 24:25 (57.), 25:25 (59.), 25:25 (59:45).

Quelle: bhv

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